Religionskritik
Ludwig Andreas Feuerbach

28.7.1804 Geboren in Landshut
Katholisch getauft, protestantisch erzogen Theologiestudium in Heidelberg
1823 Umzug nach Berlin Vorbild: Schleiermacher u. Hegel
1824 Wintersemester in Erlangen
1828 Promotion in Erlangen, Arbeit als Privatdozent
1837  Heirat mit Bertha Löw
1841 Geburt der Tochter Mathilde
1844 Tod der Tochter
1848 Revolutionsjahr
1860 - 1872 Tod seiner Frau, anschließend zurückgezogenes Leben bei Nümberg
1870 Eintritt in die SPD
13.9. 1872 Tod wegen Schlaganfall



Werke

  • Gedanken über Tod und Unsterblichkeit
  • Das Wesen des Christentums
  • Grundsätze der Philosophie der Zukunft
  • Das Wesen der Religionen
  • Theogonie



Ausgangspunkt

o Feuerbach erkennt die Unversöhnlichkeit zwischen christlichem Glauben und der Philosophie.
o Der Mensch leidet am Zwiespalt zwischen Diesseits und Jenseits,  zwischen der Unendlichkeit (Gottes) und der Endlichkeit (seines Wesens).
o Der Ausgangspunkt allen Philosophierens muss der Mensch sein und zwar der konkrete, sinnliche, soziale Mensch. Der Mensch ist das Maß aller Dinge und der Wahrheit.

Ziel
o Rückführung des menschlichen Geistes auf die Sinnlichkeit, das sinnliche Empfinden des Menschen (anthropologischer Materialismus), um eine Einheit von Körper und Geist herzustellen.
o Aufhebung des Unendlichen im Endlichen.
Schlussfolgerungen
o Der Untergang der Religion im Verweltlichungsprozess. Entwicklungsgang der Religion: am Anfang führt der Mensch alles und jedes auf Gott zurück, im Laufe der Geschichte immer weniger, und diesen Prozess gilt es zu vollenden.
o Das Geheimnis der Theologie ist die Anthropologie* (wozu sie in Wahrheit sowieso schon längst geworden ist).
o Die Leugnung der Existenz Gottes bedeutet keine Verwerfung der Werte, die sich mit ihm verbinden, der Atheismus ist vielmehr der wahre Humanismus.
o Homo homini deus est. (Der Mensch ist des Menschen Gott.)
o Ersetzung des Gottesbegriffes durch die menschliche Gattung. Dies stellt den Wendepunkt der Weltgeschichte dar.


* Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung


Zitate

"Es ist nur der Egoismus, die Eitelkeit, die Selbstgefälligkeit der Christen, dass sie wohl selbst die Splitter in dem Glauben der nichtchristlichen Völker, aber nicht die Balken in ihrem eignen Glauben erblicken." Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.

"...denn der Theologie, sage ich, sei nur das ihr Heilige wahr, der Philosophie aber nur das Wahre heilig..."

"Der geschichtliche Fortgang der Religion besteht deshalb darin, dass das, was... als Gott angeschaut und angebetet wurde, jetzt als etwas Menschliches erkannt wird. Jeder Fortschritt in der Religion ist daher eine tiefere Selbsterkenntnis."
"Wenn der Tod nicht wäre, gäbe es keine Religion."
"Der Mensch glaubt an Götter, nicht nur weil er Fantasie und Gefühl hat, sondern auch weil er den Trieb hat, glücklich zu sein. Er glaubt ein seliges Wesen, nicht nur weil er eine Vorstellung der Seligkeit hat, sondern weil er selbst selig sein will;  er glaubt ein vollkommenes Wesen, weil er selbst vollkommen zu sein wünscht; er glaubt ein unsterbliches Wesen, weil er selbst nicht sterben will. Was er selbst nicht ist, aber zu sein wünscht, das stellt er sich in seinen Göttern als Seiend dar. Die Götter sind die als wirklich gedachten, in wirkliche Wesen verwandelten Wünsche des Menschen. "

  • Quellen: Kritisches über Religion, Theologie und Kirche von Ludwig Feuerbach, hg. v. W. Schuffenhauer, Dietz Verlag Berlin, 1958,S. 102
  • L. Feuerbach, Das Wesen der Religion, A. Kröner Ver!ag. Stuttgart 1938, S. 12