Die Gottesbeweise des Thomas v. Aquin
Ein Beweis ist die Begründung (Bestätigung, Demonstration) einer Behauptung
und ist gegen jeden möglichen Einwand erfolgreich.
Gottesbeweise sind Argumentationen, die rational, das heißt für jeden nachvollziehbar, objektive Sicherheit über die Existenz Gottes vermitteln sollen, die für den Argumentierenden schon gewiss ist.
Es gibt 5 Arten von Gottesbeweisen:
1. kosmologisch
(Kosmologie: Lehre vom Aufbau der materiellen Welt)
=>Gott ist die notwendige letzte Ursache der Welt;
weil alles eine Ursache hat, muss es eine letzte Ursache geben, die durch nichts bedingt ist.
(Aristoteles 384-322 v. Chr.)
2. teleologisch
(Teleologie: Bezeichnung für philosophische Lehren, deren Grundthese ist, dass alle
Geschehnisse auf ein bestimmtes Ziel (Telos) gerichtet sind.)
=> Die Ordnung der Welt weist auf einen zwecksetzenden Geist.
3. historisch
=> es gibt kein Volk ohne Religion
4. ontologisch
(Ontologie: die allgemeine Lehre vom Sein)
=> Von der Idee eines vollkommenen Wesens wird auf dessen Existenz geschlossen;
Ein vollkommenes Wesen wäre nicht mehr vollkommen, wenn ihm etwas fehlen würde,
nämlich seine Existenz.
(Anselm v. Canterbury 1033-1109, Descartes 1596-1650)
5. moralisch
=> folgert von der Unabdingbarkeit der sittlichen Forderung (kategorischer Imperativ) auf einen Urheber des moralischen Bewusstseins (Kant 1724-1804)
Kategorischer Imperativ: oberste Handlungsanweisung der Philosophie Kants
,,Handle so, dass die oberste Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte."
Thomas von Aquin (oder Thomas von Aquino) lebte von 1225 bis 1274.
Er war Dominikaner und als Vertreter der Scholastik ein bedeutender Philosoph und Theologe des Mittelalters.
Thomas von Aquin versuchte die Lehre Aristoteles mit der christlichen Lehre zu verschmelzen.
Scholastik: (lat. Schulwissenschaft)
Bezeichnung der philosophischen und theologischen Lehren der zweiten Hälfte des Mittelalters (8. - 16- Jahrhundert)
scholastische Methode:
Fragen werden durch Befragung der Autoritäten entschieden. Also kann Wahrheit nur bei den Autoritäten (Bibel, Kirche, Aristoteles) gefunden werden.
Die fünf Wege zu Gott
a) Der erste Weg (Bewegungsbeweis):
Alles was existiert, befindet sich in ständiger Bewegung auf ein bestimmtes Ziel hin. Es bewegt sich aber nichts selbstständig, sondern dafür wird ein ,,Anstoß" benötigt. Es muss also einen Ursprung der Bewegung geben und das ist Gott.
b) Der zweite Weg (Kausalitätsbeweis):
Alles hat eine Ursache, aber nichts kann Ursache seiner selbst sein, denn sonst würde es sich selbst vorausgehen. Existenz ist immer die Folge einer anderen Existenz, also muss es eine ,,Urexistenz" geben, nämlich Gott.
c) Der dritte Weg (Kontingenzbeweis):
Alles was existiert, hat seine Notwendigkeit durch etwas anderes. Da aber die Reihe der aus einem anderen notwendigen Dinge nicht ins Unendliche gehen kann, muss es ein erstes, durch sich selbst notwendiges Ding geben: Gott
d) Der vierte Weg (Stufenbeweis):
Für alle Dinge gibt es unterschiedlich hohe Wertstufen. Thomas von Aquin folgert daraus, dass es einen bestimmten Bezugspunkt (Gott) geben müsse, an dem man alles andere messen könne.
e) Der fünfte Weg (Finalitätsbeweis)
Alles was existiert, hat einen Sinn; nichts existiert nutzlos. Das gilt auch für Gegenstände ohne eigene Vernunft, die sich in gleichen Situationen immer gleich verhalten. Dieses immer gleichbleibende Verhalten ist der Beweis für eine zugrunde liegende Absicht, die kein Zufall sein kann. Diese ,,Steuerung" muss von einer höheren, intelligenten Macht kommen. Diese Macht ist Gott.
Kritik an den Gottesbeweisen des Thomas von Aquin
Man kann sagen, dass Aquin sich bei der Beweisführung zu sehr der Theologie unterordnet, das heißt, dass er die Existenz Gottes von vornherein akzeptiert und nur nach einem passenden, schlüssigen Beweis für dessen Vorhandensein sucht. Ein Grund dafür liegt sicher darin, dass Aquin ein Vertreter der Scholastik war, die die Antwort auf Fragen ausschließlich in der Befragung der Kirche und der Bibel sucht. Außerdem ist zu bemerken, dass es im Wesen der Gottesbeweise liegt, dass sie einen Gläubigen im Glauben festigen, einen Ungläubigen jedoch nie von der Existenz Gottes überzeugen werden.
Weiterhin ist festzustellen, dass die Beweise zwar logisch und schlüssig sind, aber nur eine Möglichkeit und keine eindeutige Interpretation der Tatsachen darstellen.
Immanuel Kant zum Beispiel ist der Meinung, dass Gott nicht existieren müsse, nur weil seine eventuelle Existenz nachweisbar wäre. Der einzig sinnvolle Beweis für Gott liegt nach Kant im Gefühl und in der Erfahrung des Menschen selbst. Der Mensch unterliegt einem Sittengesetz und fühlt sich einem höheren Richter, also einem außermenschlichen Gesetzgeber, nämlich Gott, verantwortlich.
(=>moralischer Gottesbeweis)
Fragen
1. Was ist ein Gottesbeweis?
2. Was ist Kosmologie? - Gib ein Beispiel für den kosmologischen Gottesbeweis.
3. Wann lebte Thomas von Aquin und Vertreter welcher philosophischen Lehre war er?
4. Nenne einen Kritikpunkt an den Gottesbeweisen des Thomas von Aquin.
5. Was ist für Kant der einzige sinnvolle Beweis für Gott?
6. Definiere den Begriff „Beweis“ im naturwissenschaftlichen Sinn und problematisiere davon ausgehend die Formulierung „Gottesbeweis“.