Wie entstand das Neue Testament?
 
Das Neue Testament ist in griechischer Sprache geschrieben und umfasst 27 einzelne Schriften.
Die Bezeichnung der beiden Teile der Bibel als Altes und Neues Testament kam erst im Christentum auf (vgl. 2 Kor. 3,14). "Testament" ist das lateinische Übersetzungswort für das hebräische Wort "berit", das eigentlich "Verfügung", "Festsetzung", "Verpflichtung" bedeutet. Die Einteilung der biblischen Bücher in Kapitel und Verse erfolgte erst im 13. bzw. 16. Jahrhundert.
 
Jesus hat keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Wichtige und einprägsame Kernsätze (z. B. Bergpredigt) und Erzählungen (z. B. Gleichnisse) wurden von den Zuhörern im Gedächtnis behalten und mündlich weitergesagt.
 
Ähnliches geschah mit kurzen Erzählungen von Wunderheilungen und vom Leiden und Sterben Jesu sowie von seinem Wiedererscheinen im Jüngerkreis nach dem Kreuzestod. Aus diesen erzählten Erinnerungen sind dann 40 - 70 Jahre später die Evangelien entstanden: Mt, Mk, Lk, Joh.
 
Vergleicht man die drei ersten Evangelien miteinander, dann ergibt sich folgender Befund
 
 
         Mk                         Mt                                   Lk
 
     661 Verse              600 Verse aus Mk           350 Verse aus Mk
                                 235 aus anderer Quelle            235 aus anderer Quelle
                                 350 eigene Überlieferung                 550 eigene Überlieferung
 
Wie würdest du als Detektiv diesen Tatbestand erklären?
 
 
Bibelwissenschaftler erklären den Befund mit der so genannten "Zwei-Quellen-Theorie" wie folgt:
 
1.        Mk ist das älteste Evangelium.
 
2.       Mt und Lk haben jeweils Mk benutzt und seinen Text (zum Teil verändert und verkürzt oder erweitert) in ihre Evangelienschriften eingefügt.
3.       Mt und Lk haben zusätzlich 235 Verse einer anderen Quellenschrift (abgekürzt Q = Quelle) benutzt und ebenfalls eingefügt.
 
4.                 Mt und Lk haben also zwei Quellen benutzt: Mk und Q. Darum redet die Bibelwissenschaft gewöhnlich von einer Zwei-Quellen-Theorie, über deren Einzelheiten freilich immer noch unter den Forschern diskutiert wird.
 
5.                 Mt und Lk haben außerdem noch weitere schriftliche Überlieferungen aufgenommen und eingefügt, die jeweils sich voneinander unterscheiden und bei Mt 350 Verse, bei Lk 550 Verse des Gesamttextes ausmachen. Man nennt diese Überlieferungen "Sondergut" des Mt oder Lk.
 
6.                 Auf jeden Fall müssen bei der Analyse immer Mt, Mk und Lk zusammen betrachtet und verglichen werden. Darum spricht die Bibelwissenschaft hier von synoptischenEvangelien (griechisch: "syn" = "zusammen", "opsomai" = "ich werde schauen").
 
7.       Johannes hat sein Evangelium erheblich später verfasst. Vielleicht hat er Mt, Mk und Lk gekannt, aber er hat nicht sie, sondern andere schriftliche Überlieferungen benutzt. Joh gehört darum nicht zu den synoptischen Evangelien, sondern muss gesondert betrachtet werden.
 
 
Auch folgendes Schaubild ist möglich:
 
                                                 Mk    Quelle Q


                           Sondergut Mt  Mt                Lk    Sondergut Lk
 
 
Der Evangelist Lukas setzt seine Schrift über das Wirken Jesu noch fort durch eine Darstellung des Lebens der ersten christlichen Gemeinden und der Missionsarbeit des Paulus in seiner Apostelgeschichte. Diese schöpft aus mündlichen Erzählungen und schriftlichen Aufzeichnungen von Zeitgenossen.
 
Bevor die Evangelien und die Apostelgeschichte geschrieben waren, gab es schon zahlreiche Briefe des Paulus, die er als Lehrschreiben an einzelne Christengemeinden gesandt hatte. Sie sollten im Gottesdienst öffentlich verlesen werden und den abwesenden Apostel vertreten. Außerdem entstanden nach und nach andere Lehrschreiben der Apostel in Form von Briefen, die jedoch nicht alle von diesen selbst verfasst wurden. Um 95 n. Chr. entstand schließlich ein christliches Prophetenbuch, in dem die Ereignisse der Endzeit geschildert und die Christen zur Standfestigkeit in den damit verbundenen Verfolgungen aufgerufen wurden, die Offenbarung des Johannes.
 
Als nach dem Jahr 100 auf dem christlichen Büchermarkt immer mehr Evangelien und Offenbarungen erschienen, in denen z. T. fantastische Dinge zu lesen standen, mussten die Kirchenführer öffentlich klarstellen, was als heilige Überlieferung zu gelten hatte und was nicht. So kam es zur Bildung eines neutestamentlichen Kanons, ähnlich dem alttestamentlichen: nur was alt und bewährt und frei von fantastischen Spekulationen war, sollte Maßstab für den Glauben und das Leben sein im Sinne der überlieferten Lehre der Apostel.
Die 27 Schriften des NT wurden endgültig um 400 n. Chr. als kanonisch, d. h. als Heilige Schrift erklärt.
Die tief greifende Wirkung, die von der Bibel seit ihrer Entstehung bis heute auf das Denken, Handeln und künstlerische Gestalten von Menschen ausgegangen ist, lässt sich an vielen Beispielen aus dem öffentlichen und privaten Leben aufzeigen.