Die nachfolgende Hausarbeit wurde im Schuljahr 2006 von einem Schüler der Klasse 11 angefertigt. Selten so was Witziges und Kreatives bekommen und gelesen. Es empfiehlt sich die Lektüre, dann spart man sich die Zeit für die Selbstversuche. Ich hoffe, der Ratte geht es wieder besser...
Hausarbeit
Thema: Aberglaube im Alltag
Rituale und spirituelle Sitzungen
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
1.2) Durchführung
2) Analyse
2.1) Magisches Weltbild
2.2) Analyse der Rituale
3) Ethische, moralische Probleme
4) Schlussfolgerung; Quellenangabe
1) Einleitung
Bei meiner Suche nach einem geeigneten Thema für meine Ethik-Hausarbeit bin ich im Internet auf eine interessante Seite gestoßen. Bei meiner Suche nach Anleitungen für spirituellen Sitzungen und Rituale fand ich mehrere mehr oder weniger ausführliche Beschreibungen für alle möglichen Rituale. Vom einfachen Liebeszauber über Bann- und Rachezauber, Flüchen bis zu Todesritualen, Dämonenbeschwörungen und Teufelspakten konnte ich alles finden was das Herz eines „Magiers“ begehrt und dessen Leben vereinfacht.
Da die meisten Rituale recht simpel auszuführen sind versuchte ich mein Glück mit einigen, teils recht amüsanten Ritualen.
1.2) Die Durchführung
Beginnen wir mit etwas einfachem und recht ungefährlichem dem „magischen Laden von Talismanen und Amuletten“. Hierfür muss ein kleines Kuscheltier, die bekanntlich öfters als Glücksbringer genutzt werden, herhalten. Diese Ladung kann auf verschieden Arten vollzogen werden. Da ich mich noch nicht an eine Geisterbeschwörung wagen möchte, versuche ich es durch Willenskonzentration. Dies wird auf der Seite zwar als nicht ganz so wirkungsvoller Zauber beschrieben, soll aber unkompliziert sein. Als erstes wird der zu verzaubernde Talisman mit Salzwasser besprenkelt und dann alle negativen Einflüsse von ihm entfernt. Dann soll man sich so auf ihn konzentrieren, als ob er schon wirken würde. Nun rezitiert man ein paar Sätze, die die Wirkung beschreiben. Nun soll man sich darauf konzentrieren, dass der Talisman auch gerade dann wirkt, wenn man nicht an ihn denkt.
Leider fehlt mir dazu dann doch die gewisse Vorstellungskraft und ich versuchte es mit dem „Einfachen Voodoo-Fluch“. Am Anfang der Beschreibung steht noch ein kurzer Warnhinweis, dass dieser Zauber leicht nach hinten losgehen kann und man damit keinen Unsinn treiben soll. Allerdings gehe ich für meine Hausarbeit dieses Risiko ein. Zuerst soll man aus Wachs eine Figur des Opfers erstellen. Da ich hierfür keinen Menschen gefährden wollte, stand meine Ratte bei diesem Versuch als Assistent zur Verfügung. Da der Fluch umso unfehlbarer ist wenn man Haare des Opfers hinzufügt, musste meine Ratte schon vor dem Fluch ein wenig leiden. Nun muss man die Voodoopuppe mit Weihrauch beräuchern und das Opfer benennen. Nun zündet man einige schwarze Kerzen an und beschmiert die Puppe mit Blut, besonders im Gesicht und an den Genitalien. Hierfür eignet sich Tier oder Menschenblut (diesmal musste ich ran, da ich meiner Ratte nicht noch mehr weh tun wollte). Nun durchsticht man die Puppe mit Nadeln, rezitiert einen Zauberspruch („Geeignet ist das Vaterunser rückwärts. Solcherlei Worte sind in der schwarzen Magie die besten und wirkungsvollsten“) und konzentriert sich darauf, was dem Opfer geschehen solle. Nun lässt man das ganze drei Tage lang stehen und meditiert ab und zu über der Puppe. Nach diesen drei Tagen hüllt man die Puppe in schwarzes Tuch und schmeißt sie in fließendes Gewässer. Nach einer Woche gab ich den Versuch auf und außer meinem schmerzenden Finger und ein paar fehlenden Haaren bei meiner Ratte geht es allen Beteiligten gut, nur die Voodoopuppe wurde feierlich in der Toilette entsorgt.
Nach diesen zwei missglückten Versuchen wagte ich mich nun an etwas Kompliziertes: „Der Todeszauber“. Kein Warnhinweis steht vor dem Zauber. Hierfür stellt man einen Miniatursarg her, segnet ihn im Namen der unheiligen Dreifaltigkeit und schickt den Sarg zusammen mit dem Zauberspruch an die betreffende Person. „Geeignet ist zum Beispiel die ungeheuerlichste bekannte Formel, die nie fehlschlägt, aber sehr gefährlich ist. Daher muss was hier geschrieben steht, erraten werden: Aus dieser Formel wird die Legende des Genius des Bronzekessels, die mit Solomon in Verbindung gebracht wird, abgeleitet.“
Ohne diesen Spruch ist ein Todesritual ein ziemlich einfaches Ritual. Allerdings konnte ich auch nach langem Recherchieren nicht genau klären, wobei es sich bei dieser Formel handelt oder wie die Legende des Bronzekessels lautet. Das Ganze hat sich wahrscheinlich in Arabien abgespielt. Der Kessel soll aus einem Guss gegossen sein, was für diese Zeit sehr selten ist und ihn somit einmalig macht. Wahrscheinlich stand er in einem Tempel, vielleicht auch im salomonischen Tempel. Mehr konnte ich allerdings nicht herausfinden und diese Frage wird auch in vielen Foren im Internet gestellt. In so einem Forum sieht man, wie viele Menschen sich der Rituale und Magie bedienen, aber später mehr dazu. Also musste ich mich damit zufrieden geben, dass dieses Ritual auch nicht funktioniert.
Also versuchte ich es mit einem Teufelspakt. Hier warnt wieder ein Warnhinweis auf mögliche Folgeschäden. Ein böser Geist würde nämlich versuchen mit Arglist dem Anwender Schaden zuzufügen und ihn abhängig zu machen. Auf ein Pergament schreibt man dann eine Art Vertag:
„Ich, ... (Name), verspreche ...(Name des Geistes) in dem Zeitraum von ... Jahren, in folgender Weise ... (Name des Geistes) zu entgelten, was er für mich bis dahin getan hat. (Es folgt eine genaue Formulierung der Abmachung.)“
Diesen Vertrag muss man zweimal anfertigen. Die Verträge werden dann vom Magier und vom Geist unterschrieben, der mit seinem Siegel unterschreibt.
Hier z.B. das Siegel von Glasya-Labolas der für Unsichtbarkeit, Mord und Totschlag steht. Es gibt für jede Lebenslage einen Geist.
Der zweite Vertrag wird verbrannt und gelangt so ins Jenseits. Beide Parteien müssen sich nun an den Pakt halten. Wahrscheinlich muss man aber ewig warten, bis der Geist seine Unterschrift unter den Vertrag setzt.
Da diese Rituale nun, wie zu erwarten, nicht funktioniert haben starte ich noch einen Versuch bei einer Wahrsagerin. Da das Kartenlegen mit 20€ doch recht teuer für ein bisschen Humbug ist, ließ ich mir nur aus der Hand lesen. Das Ergebnis war wie zu erwarten: Während sie mit einer Hand ganz fasziniert meine Handlinien nachfuhr und mit der anderen Hand ein paar „magische Handbewegung“ vollzog, begann sie mir wie in Trance zu erzählen, dass ich in meiner Kindheit etwas Schlimmes erlebt habe. Klar, wer hat das nicht. Ich werde ein relativ langes Leben haben und ein schlimmes Ereignis wird in einigen Jahren passieren. Mein Liebesleben wird Höhen und Tiefen durchleben usw. Ich möchte hier nicht weiter langweilen mit Voraussagen, die auf jeden Menschen zutreffen. Leider hat sie mir nichts über die Note meiner Ethik Hausarbeit erzählt. Da ich keine Lust hatte weiter sinnlose Rituale durchzuführen, beendete ich an dieser Stelle meine Experimente.
2) Analyse
2.1) Definition des magischen Weltbildes
Im Magischen Weltbild wird davon ausgegangen, dass man in das Jenseits eingreifen kann und das Jenseits direkt ins Diesseits. Ein Magier kann so einen Geist oder Dämon beschwören, die Zukunft voraussagen usw. Das Jenseits, das man von den Religionen übernommen hat, befindet sich als eine Art Hülle direkt um das Diesseits und ist unsichtbar. Hier leben Dämonen und Geister, die direkt in das Geschehen im Diesseits eingreifen können. Dies würde aber voraussetzen, dass Naturgesetzte außer Kraft gesetzt werden können und dass das Jenseits, wenn es mit dem Diesseits reagieren könne, auch zum Diesseits gehören müsste und somit vergänglich wäre.
2.2) Analyse der Rituale
Beginnen wir mit dem verzaubern von Talismanen. Ein Ritual wird vollzogen indem man den Talisman durch starke Konzentration dazu bringt, Erfolg herbeizuführen. Eine Wirkung wird vorgetäuscht ähnlich wie durch self-fulfilling prophecys. Der Anwender hat den Anschein, dass sein Zauber funktioniert, weil er es erwartet hat und einen Zusammenhang mit den nächsten Erfolgen herstellt. Allerdings gibt es keinerlei Zusammenhang mit seinem Talisman und der Realität.
Der Voodoo-Zauber wurde von alten Kulturen übernommen. Bei diesen Kulturen funktionierte Voodoo, weil niemand daran zweifelte. Bei dem vollzogenen Ritual ist dies allerdings eine schlechte Kopie, die aus einem Film stammen könnte. Eine Wirkung könnte allerdings auch hier beobachtet werden können, falls das Opfer ebenso wenig am Wirken des Voodoo-Zaubers zweifelt. Die Puppe sollte mit Blut beschmiert werden. Dies ist oft Teil eines Rituals. Somit wird dem Ganzen noch etwas mehr Nervenkitzel hinzugefügt. Der Zauberspruch für das ganze Ritual, das Vaterunser rückwärts zeigt wieder den Satanismus, bei dem alles Christliche umgekehrt wird (Umgekehrtes Kreuz, Schwarze Messen, u.s.w.).
Der Todeszauber setzt wieder auf leichtgläubige Anwender und Opfer. Den hier anzuwendenden Zauberspruch konnte ich allerdings nicht finden. Hier wird dem Anwender vorgegaukelt, falls er den Spruch finden könnte, würde der Zauber funktionieren. Dies wird allerdings wahrscheinlich in einer endlosen Suche enden.
Beim Teufelspakt wird auf das Magische Weltbild zurückgegriffen. Ein Geist, der aus dem Jenseits heraus mit seinem Siegel den Vertrag unterzeichnet. Dann wird der Vertrag verbrannt, um ihn ins Jenseits zum entsprechenden Geist zu überführen. Hier wird das direkte Eingreifen von einem Geist aus dem Jenseits in das Diesseits beschrieben und das Überführen von einem Gegenstand im Diesseits in das Jenseits. Die Naturgesetzte werden durch den Eingriff vom Diesseits ins Jenseits und umgekehrt gebrochen.
Die Wahrsagerin versucht ihr Opfer durch seltsame Handbewegungen, sprechen wie in Trance, und spontane, positive oder schockierende Visionen leichtgläubig zu machen. Wichtiger hierfür sind aber wieder die self-fulfilling prophecys. Die Wahrsagerin erzählt einem Geschichten, die wahrscheinlich jedem schon einmal passiert sind wie z.B. ein schreckliches Erlebnis in der Kindheit und Erlebnisse, die mit Sicherheit noch jeder vor sich haben wird, z.B. ein positives Erlebnis in der Zukunft.
Erlebt man nun etwas Positives (z.B. den Gewinn einer Reise bei einem Quiz), wird das Ereignis mit der Vorhersage in Verbindung gebracht und somit die Wahrsagerin als wahre Magierin gefeiert. Die Visionen sind also bei jeder Person gleich, nur die damit in Verbindung gebrachten Erlebnisse unterscheiden sich voneinander.
3) Ethische, moralische Probleme
Rituale bringen viele ethische und moralische Probleme. Allein durch den Glauben an übernatürliche Kräfte kann durch ein Ritual großer Schaden verursacht werden. Wenn z.B. ein Mensch verflucht wird und an den Fluch glaubt, so kann er einem Wahn verfallen und für ihn werden so die Auswirkungen des Fluches zur Wirklichkeit. Aber auch Anwender kann ein böses Schicksal treffen z.B. durch das Rufen eines bösen Geistes. Durch seine Einbildungskraft kann dieser Mensch sich nun einem bösen Hirngespinst unterworfen fühlen. Auch eine Abhängigkeit an Rituale kann entstehen. Da diese Praktiken mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden sind und viel Macht versprechen, werden viele Menschen zu solchen Praktiken hingezogen. Oft fällt es schwer, wieder seine „Mächte“ abzugeben oder der Gruppenzwang zwingt zur weiteren Ausführung von Ritualen. Wie bei der „Satanspriesterin“ von Ricarda S. kann es zur Ausnutzung durch „höhergestellte Magier“ kommen. Auch kann es bei Ritualen durch Ekstase oder durch Blutopfer zu eigenen Verletzungen kommen. Es gibt auch Rituale, die das Quälen und Erniedrigen von Menschen beinhalten. Außerdem können auch Folgeschäden auftreten. Bei negativen Zukunftsvisionen kann es zu panischen Anfällen kommen oder nach einem Fluch kann sich das schlechte Gewissen melden. Auch kann durch Aberglauben das Menschen- und Weltbild verändert werden. Man grenzt sich von Nicht-Magiern ab bzw. wird von ihnen ausgeschlossen.
4) Schlussfolgerung
Während der Durchführung der Rituale habe ich schon einen gewissen Nervenkitzel verspürt, nur finde ich es als Zeitvertreib oder gar als „Hilfen fürs Leben“ lächerlich. Bei fast allen Ritualen wird auf die gleiche Art versucht dem Anwender etwas vorzumachen und die Nebeneffekte zur Steigerung des Nervenkitzels sind auch weitgehend die selben. Meistens zündet man Kerzen an oder setzt sich im Kreis usw. Allerdings musste ich bei meinen Recherchen feststellen, dass viele, meist junge Menschen, der Magie zum Opfer gefallen sind. Wieso auch nicht. Schließlich sind Magier und Zauberer in Filmen, Büchern und Fantasie oft glorreiche Helden, die in der Lage sind, die fantastischsten Wunder zu vollbringen. Jeder wäre wohl gerne mal eins dieser Fabelwesen. Ein anderer Grund für eine solche Anhängerschaft der Magie ist wohl, dass man sich in einer großen Gruppe von Mitwissenden befindet. Man kann über dieses, für „normale Menschen“ nicht zugängliches Wissen vor Gleichgesinnten prahlen, mit ihnen diskutieren und von ihnen lernen. Somit ist man Teil von etwas Großem und Unglaublichem. Auch kann man mit seinem Wissen den „Normalen“ Angst einjagen und von ihnen bewundert werden.
Ein wenig wütend hat mich der Voodoo-Fluch gemacht. Hier wurde mal wieder von einer Religion die Idee für ein Ritual übernommen. Das Problem besteht nur darin, dass die Kultur des Voodoos völlig ins Lächerliche gezogen wird. Das Ritual erinnert eher an einen schlechten Film, als an etwas anderes. Mich fasziniert der Voodoo-Kult sehr und deshalb finde ich es umso absurder ihn für Rituale zu missbrauchen (deshalb landete meine Voodoo-Puppe auch in der Toilette). Sehr belustigend fand ich allerdings die Seite www.geisterarchiv.de auf der man etliche kuriose Rituale und Zaubersprüche findet (z.B. den Zauberspruch, damit der Lover anruft, den Zauberspruch für schöne Hände, Dr. Love und den Tür- verriegeln - Zauber). Leider muss man sich auf der Seite anmelden um einen Einblick in die Zaubersprüche gewährt zu bekommen. Auf der Internetseite http://www.hexen.org kann man sich seine Zukunft voraussagen lassen. Leider funktionierte das Orakel bei mir nicht, also versuchte ich es mit Tarotkarten. Hier wurde für mich eine Karte per Zufallsgenerator ausgesucht. Meine erste Tageskarte war „Die Kraft“ sie sagt: „VIII. Die Kraft steht dir auf verschiedene Weise zur Verfügung. Bei wichtigen Fragen sollst du deine ganze Kraft wie ein Raubtier einsetzten, verlass dich dabei auf deinen Willen, die Eingebung und deine innere Stimme. Folge dem, was dich innerlich bewegt. Dann kann es für dich positive Lösungen geben“. Auch hier kann man wieder sehen, dass diese Zukunftsvoraussagen auf jeden zutreffen können. Als dann meine dritte Karte wieder die Kraft war, ließ ich die Zukunft lieber Zukunft sein. Etwas Amüsantes musste ich auch noch entdecken. Die Karte, die man zugeordnet bekommt, wird durch die Uhrzeit bestimmt, in der man die Seite betritt. Es ist also reiner Zufall welche Karte man bekommt, doch als Rechtfertigung für magische Kräfte steht auf der Seite noch: „Du hast die Zeit gewählt, die Zeit hat dich gewählt“.
Auf der Seite http://www.satanshimmel.de/gedankenlesen_2.htm fand ich einen Gedankenleser. Das Ergebnis versetzte mich in Staunen aber nach einigen Versuchen und kurzem Nachdenken fand ich heraus, dass hier wieder nur Schwindel betrieben wurde. So ist es auch mit allen anderen Ritualen. Es steckt nicht mehr als Tricks hinter allen Ritualen, Zaubern usw. auch wenn sie auf den ersten Blick sehr glaubwürdig aussehen. Es gibt immer eine logische Erklärung.
Adrian Schneider