Analyse - „Die Zeit der Wölfe“


Der Film „Die Zeit der Wölfe” beschäftigt sich mit den Problemen eines l6 jährigen Mädchens, die es beim Eintritt in die Pubertät hat.

Rosalie liegt geschminkt in ihrem Bett und schläft, während ihre ältere Schwester wütend vor ihrem Zimmer steht und schimpft, da Rosalie nicht auf ihre Anweisungen reagiert. Rosalie träumt, dass ihre ältere Schwester durch einen Wald rennt und von Wölfen verfolgt wird. Sie trifft dabei auf überdimensionale große Puppen und Teddybären, die ein Symbol für die Kindheit darstellen. Auch ein Puppenhaus steht in dem Wald, das von Ratten ausgefüllt ist, die es zerstören. Die Ratten verdeutlichen, dass Rosalies Kindheit zernagt wird und langsam zerfällt. Als ihre Schwester von den Wölfen getötet wird, zeigt Rosalie einen zufriedenen Gesichtsausdruck. Man kann jetzt spekulieren, dass Rosalie froh über den Tod ihrer Schwester ist, da sie jetzt eine Konkurrentin weniger hat und in der Familie nun auf die Position bzw. Machtstellung ihrer Schwester aufgestiegen ist. Trotzdem behandelt Rosalies Oma sie wie ein Kind, da sie z. B. vor ihren Fragen ausweicht und sagt: „Davon verstehst du noch nichts“ oder ihr gute Ratschläge gibt, wie z. B. „Komme nie vom Weg ab. Esse kein heruntergefallenes Obst. Traue keinem Mann mit zusammengewachsenen Augenbrauen“. Rosalie wird durch ihre Großmutter, die das Über-Ich darstellt, stark in ihrem Verhältnis zu Männern geprägt.
Die Wölfe sind ein Symbol für die Triebhaftigkeit und Sexualität. In den Erzählungen „Der fahrende Händler“ und „Die Frau der Unrecht geschah“, werden die Wölfe mit etwas Negativem in Verbindung gebracht. Einmal mit der wachsenden Brutalität und dann mit seelischem Schmerz und Vergeltung. Rosalie reagiert auf die Erzählungen und Ratschläge ihrer Großmutter nicht mit Abneigung gegenüber Männern, sondern mit Neugierde aber auch Zurückhaltung. Als sie ihre Mutter fragt, ob ihr Vater ihr weh tue, wenn sie miteinander schlafen, sagt ihre Mutter: „Sollte ein wildes Tier in den Männern stecken, findet es seinesgleichen in den Frauen“. Also trifft Rosalie hier durchaus auf eine andere Meinung gegenüber den Aussagen ihrer Oma.
In einer anderen Szene geht Rosalie mit einem gleichaltrigen Jungen aus ihrem Dorf durch den Wald spazieren. Der Junge will sie küssen. Rosalie rennt aber weg und ruft:
„Wölfchen, Wölfchen fang mich doch.“ Sie weiß also durchaus, wie sie durch ihr Verhalten mit dem Jungen kokettiert. Trotzdem wird in der Szene, als Rosalie den Lippenstift und Spiegel in einem Vogelnest findet, ihre kindliche Vorstellung von Sexualität verdeutlicht, als aus den Eiern in dem Nest Porzellanbabys schlüpfen. Da die Wölfe in dem Wald immer noch eine Bedrohung darstellen, will Rosalies Vater „die Bestie so lange jagen, bis sie tot ist“. Er reagiert mit Eifersucht auf andere Männer in Rosalies Gegenwart, da er immer noch sein „kleines Mädchen“ vor sich sieht, das er nicht mit jemanden teilen möchte. Als er dem größten Wolf die Vorderpfote abschneidet, verwandelt sie sich in eine menschliche Hand und Rosalie denkt, dass die Wölfe bzw. Männer vielleicht anders sind, als die Erzählungen sie deuten.
Rosalie hat von ihrer Großmutter einen roten Umhang bekommen. Damit ist ihre Mutter aber nicht einverstanden, da Rosalie nicht denken soll, sie sei etwas Besonderes. Einerseits soll Rosalie zurückhaltend sein aber andererseits zieht die rote Farbe des Umhangs die Blicke auf Rosalie und stellt ein Symbol für Erotik dar.


Eine folgende Szene zeigt, wie Rosalie durch den Wald zu ihrer Großmutter geht und auf einen fremden Mann mit zusammengewachsenen Augenbrauen trifft. Rosalie hat viele Verhaltensregeln von ihrer Großmutter mitgeteilt bekommen aber immer wenn sie mit Wölfen oder Fremden zusammentrifft, ist sie allein. Rosalie unterhält sich mit dem Mann und erzählt ihm auch einiges aus den Geschichten ihrer Großmutter. Er reagiert gereizt über die Klischees, die Rosalie ihm erzählt. Sie schließen eine Wette ab, die besagt, wenn der fremde Mann zuerst bei ihrer Großmutter ist, muss Rosalie ihm einen Kuß geben. Ihm gelingt es auch zuerst bei dem Haus zu sein. Er tritt ein und die Großmutter identifiziert ihn sofort als bösartigen Wolf. Er schlägt ihr den Kopf ab, der an die Wand prallt und wie Gips zerfällt. Dieser Bruch ist ein Symbol dafür, dass die Großmutter als Über-Ich nicht mehr existiert und ihre Vorurteile wie Gips zerfallen und nichtig werden. Als Rosalie an dem Haus ankommt, ist sie überrascht, den Fremden zu sehen. Sie merkt aber auch, dass etwas nicht stimmt und ihre Großmutter nicht mehr existiert. Trotzdem Löst sie ihre Wette ein aber der Fremde verlangt vorher noch, dass sie ihren roten Umhang ablegt, da „sie ihn nicht mehr brauchen wird“. Mit dem Verbrennen des Umhangs wird auch die letzte Erinnerung an die Großmutter ausgelöscht. Nachdem Rosalie den fremden Mann verletzt hat, verwandelt er sich wieder in einen Wolf, der aber von seinen Artgenossen verlassen wird. Daraufhin erzählt Rosalie ihm die Geschichte „Von der verwundeten Wölfin“. Diese Geschichte beschreibt die Grundhandlung des Films und die Veränderungen, die in Rosalies Leben vorgehen. Der Eintritt der Wölfin aus der Unterwelt in das Reich der Menschen steht für den Eintritt Rosalies aus ihrer Kindheit in die Pubertät. Der Wölfin wird Böses zugefügt. Der Austritt aus der Kindheit ist oft mit Schmerzen verbunden, da man ein Stück Geborgenheit aufgibt, mit Normen und Gesetzen konfrontiert wird und es oft Streit mit den Eltern gibt, da man auf seine eigene Meinung beharrt. Die verwundete Wölfin findet Trost bei einem Pfarrer, der sagt: „Die Wunde wird mit der Zeit heilen.“ Die Wölfin hat sich in ein Mädchen, das nackt ist verwandelt. Dies ist auch ein Symbol der Hilflosigkeit und Naivität. Das Mädchen geht wieder den Weg zurück, aber diesmal sehr vorsichtig damit sie niemand sieht, da sie vielleicht auch Scham empfinden würde, weil sie nackt ist. „Sie war nur ein kleines Mädchen, das aus der Unterwelt kam und Erfahrungen in der Menschenwelt sammelt“. Das Mädchen taucht wieder in die Unterwelt zurück, aber verwandelt sich nicht mehr in eine Wölfin. Beim Eintritt in die Pubertät würde man gerne manchmal in die Kindheit zurückkehren aber dieser Abschnitt des Lebens ist dann abgeschlossen.
Als ihre Mutter und andere Dorfbewohner zu dem Haus der Großmutter gelangen, springt ein Wolf durch ein Fenster nach draußen. Die Mutter öffnet vorsichtig die Tür und sieht Rosalie, die sich in eine Wölfin verwandelt hat. Sie folgt dem anderen Wolf. Das Rudel rennt jetzt wieder durch den Wald und man sieht wie sie, das Puppenhaus zerstören, die Puppe und der Teddybär am Boden liegen. Die Werte der Kindheit sind für den neuen Lebensabschnitt nicht mehr  wichtig. Das Rudel rennt in das Haus und die Wölfe stürzen durch ein Fenster in Rosalies Zimmer. Der Prozess bzw. der Eintritt in die Pubertät kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.