Im Folgenden sollen einige Grundlagen zum besseren Verständnis der menschlichen Psyche dargestellt werden.
Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens geprägt durch die mannigfaltigen Einflüsse seines Umfeldes. Herausragende Bedeutung haben dabei die nächsten Verwandte und Freunde – vor allem die Mutter und der Vater. Weil wir als Neugeborene auf die Hilfe unserer Mutter angewiesen sind und weil wir in den ersten das Leben prägenden Monaten dem Einfluss der Eltern ausgesetzt sind, deshalb bleiben wir Zeit unseres Lebens deren Kind.
In den ersten neun Monaten des Lebens werden 80% unserer Persönlichkeit geprägt. D.h.: ob wir uns später anderen Menschen offen oder reserviert gegenüber verhalten werden, ob wir neugierig oder mehr passiv sind, ob wir selbstbewusst im Leben stehen oder uns mehr vorsichtig bewegen – solche Grundlagen werden in dieser ersten Zeit gelegt. Auch wenn das zunächst überraschend und übertrieben klingen mag – es gibt genügend Beispiele, die den Einfluss des Kindes von früher auf das direkte Verhalten des Erwachsenen belegen. Am überzeugendsten aber werden die Beispiele, wenn ich sie persönlich reflektiere und in meinem eigenen Verhalten die grundlegenden Strukturen entdecke.
Darin liegt auch die große Chance: es ist ja nicht entlastend wenn ich sagen würde, dass ich für mein Verhalten nicht verantwortlich sein kann, weil ich schon in frühester Kindheit geprägt wurde. Dadurch kann ich ja mit dem Ist-Zustand nicht versöhnt werden. Der Blick in meine Vergangenheit, die Entschlüsselung bestimmter Verhaltensmechanismen kann mir aber ermöglichen, familiäre Grundstrukturen, Grundbotschaften zu entdecken und sie mir bewusst zu machen. In diesem Bewusstmachungsprozess liegt dann auch die Chance zu einer positiven und grundlegenden Verhaltensänderung, wenn sie mir helfen kann, eine bewusste und selbstbestimmte Persönlichkeit zu werden.
Diesem Ziel dienen die hier vorgestellten und kommentierten Materialien.
Eine der Grundlagen der Psychoanalyse ist die Erkenntnis, dass unser menschliches Handeln aus drei unterschiedlichen Instanzen heraus geleitet wird, die sich gegenseitig animieren und kontrollieren (siehe dazu auch den Originaltext von S. Freud unter „Der psychische Apparat“):
ES – ICH - ÜBER-ICH
Sigmund Freud stellte zwei Hypothesen auf:
1. Das Prinzip der psychischen Kausalität
Es bedeutet, dass alles, was im Moment in der Psyche abläuft, von der Vergangenheit beeinflusst wird. (Kausalkette)
2. Bewusste Ereignisse sind eher eine ungewöhnliche Erscheinung. Das meiste, was sich in der Psyche abspielt, ist unbewusst.
a) bewusst = Was im Moment in den Gedanken gegenwärtig ist
b) vorbewusst = Das, was nicht bewusst im Gedächtnis ist. Es kann aber durch Nachdenken ins momentane Bewusstsein geholt werden.
Bsp.: Es wird die Frage gestellt, wie unser jetziger Deutschlehrer heißt. Durch Nachdenken können wir diese vorbewusste Information in unser Gedächtnis rufen.
c) unbewusst = Das, was auch durch Nachdenken nicht bewusst wird.
Die drei Instanzen
In Sigmund Freuds Strukturhypothese ist die Psyche in drei Instanzen aufgeteilt, zwischen denen jedoch eine Wechselbeziehung besteht. Es sind
ES – ICH – ÜBER – ICH
Die Persönlichkeit besteht aus diesen drei separaten Strukturen.
Es ist der Sitz der Triebe. Freud unterteilt die Triebe in zwei Grundarten:
1. Sexualtrieb (EROS)
2 .Aggressionstrieb (TANATOS)
Diese Triebe sind mit Energie besetzt. (LIBIDO)
Sie beeinflussen jede unserer Handlungen, jedoch zu unterschiedlich starkem Anteil. Sie sind die Voraussetzung des Lebenserhaltes. Das ES ist während des Geburtszeitpunktes bereits vorhanden und beeinflusst unser Handeln.
Das ÜBER – ICH ist die moralische Instanz. Das ÜBER-ICH wird in den ersten Lebensjahren durch Erziehung und Umwelt geprägt. Es vertritt die Ge- und Verbote der Autoritäten, die die Erziehung des Kindes wesentlich prägen. Im Spiel und der Ambivalenz zwischen ICH und ÜBER-ICH bildet sich das Gewissen. Es ist zwischen dem5. bis 6. Lebensjahr nachweisbar und mit dem 10. – 11. Lebensjahr ausgeprägt. Das ÜBER—ICH ist auch der Träger des Ich—Ideales und der Vertreter aller moralischen Beschränkungen.
Das ICH ist das handelnde Individuum, das zwischen den Ansprüchen von ES und ÜBER-ICH entscheiden muss. Diese Entscheidungen führen zwangsläufig zu Konflikten, da sowohl die Triebe, als auch die moralischen Werte befolgt werden wollen. Das ICH ist die ausführende Instanz, es versucht zwischen ES und ÜBER-ICH einen Kompromiss zu finden. Die Handlung, die ein Mensch ausführt, ist stets dieser Kompromiss. Das ICH versucht, eine optimale Befriedigung für das ES zu erreichen. Man kann sagen, dass das ICH der Vollstrecker der Triebe ist. Es hat jedoch noch andere Aufgaben: Realitätsprüfung, Wahrnehmung, Erinnerungen, motorische Kontrolle und Denken. Die ungelöste Spannung (seelische Spannung) zwischen ICH undES nennt man Neurose. Jeder Mensch hat folglich Neurosen, die sich aber nicht zwangsläufig negativ bemerkbar machen. Pathologisch werden die Neurosen, wenn sie zu unlösbaren inneren Konflikten führen, die dann wiederum durch unterschiedliche Überlebensstrategien, die Abwehrmechanismen, gelöst werden sollen.
ABWEHRMECHANISMEN
Unser ICH hat Tag für Tag dafür zu sorgen, dass wir unser Gleichgewicht behalten und mit der Außenwelt zurecht kommen. Es kontrolliert die aus dem ES kommenden Antriebe und weist ihnen die Richtung, während es gleichzeitig versucht, das kritische UBER—ICH zufrieden zu stellen, das darüber wacht, dass die Pflichten und Forderungen eines bestimmen Wertsystems eingehalten werden. Das ICH ist der Vermittler zwischen der Außenwelt und dem ES, der Außenwelt und dem UBER-ICH und dem UBER-ICH und dem ES. Es umfasst die Funktionen des Denkens, Wollens, Fühlens, Handelns, ferner der Wahrnehmung von Forderungen, die aus der Umwelt kommen, von Wünschen, die aus der Vitalschicht aufsteigen, von Forderungen und Warnsignalen aus dem UBER—ICH.
Das ICH hat also die wesentliche Steuerungs- und Entscheidungsfunktion bei der Aufgabe, ein Leben zu führen, das die Anforderungen der Realität und des mitmenschlichen Zusammenlebens in bestmöglicher Weise mit der Befriedigung eigener Wünsche und Ziele in Übereinstimmung bringt. Das wichtigste Kennzeichen eines starken, gut ausgebildeten Ichs ist seine Beweglichkeit in der Lösung von Konfliktsituationen. Es ist das Ergebnis der fortschreitenden positiven Erfahrung, dass man erfolgreich ist in der Bewältigung der täglich anfallenden Entscheidungen.
Wenn das ICH in einer Belastungssituation zu versagen droht, wenn es das Gleichgewicht zwischen den Kräften des ES, des UBER—ICH und der Umwelt nicht aufrechterhalten kann, entstehen meist irrationale und unbewusste Abwehrhaltungen, die so genannten Abwehrmechanismen.
Abwehrmechanismen stehen in einem engen Zusammenhang mit Bedürfniskonflikten, aus denen Frustration und Angst resultieren. (Von Frustration sprechen wir, wenn das Erreichen eines Triebzieles aus irgendeinem Grund nicht möglich ist und die Bedürfnisse unbefriedigt bleiben müssen.)
Der Mensch wendet nun die Abwehrmechanismen an, um in den zwischenmenschlichen Beziehungen die durch Frustration entstandenen Spannungen und Konflikte zu vermeiden oder mindestens zu reduzieren. (Da es unbewusste Vorgänge sind, handelt es sich hier in keiner Weise um Verhaltensweisen, die als moralisch gut oder schlecht abgestempelt werden können.)
Denn die Frustration der ES—Impulse, der vitalen Bedürfnisse, ruft in der Regel Angst hervor. Das ICH kommt in Schwierigkeiten und wird bedrängt. Die Abwehrmechanismen sind nun im Sinne einer Angst—Reduktion wirksam. Sie helfen dem Menschen, die verhinderten ES—Impulse in eine andere Richtung zu lenken und dadurch die Angst zu vermindern. Werden allerdings vom ICH immer mehr und stärkere Abwehrhaltungen eingesetzt, um ES—Impulse völlig zuzudecken, dann kann ein Angst-Potenzial entstehen, das zu einer seelischen Erkrankung führt und nur mehr therapeutisch behandelt werden kann (s.o).
Zusammenfassend kann man sagen, dass das ICH aus drei Gründen zu Abwehrmechanismen greift:
1. Es hat den Forderungen des ES irgendwie entgegen zu kommen. Es steckt zuviel Energie und Impuls im ES, als dass es ständig unterdrückt werden könnte. Außerdem funktioniert die gesamte Persönlichkeit auf Grund des Energiezuflusses des ES.
2. Wenn das ICH seine Tätigkeit aufrechterhalten will, hat es sich vor zwei Gefahren von Seiten der Umwelt zu schützen:
a) Das ICH fürchtet, die Quellen zu verlieren, aus denen ihm Anerkennung und Liebe entgegenkommt. Es fürchtet die Ablehnung und den Liebesverlust von bestimmten Personen oder Personengruppen.
b) Das ICH ist in Sorge, dass die Realität es schädigen oder gar zerstören könnte.
3. Das ICH versucht, sich vor der Gefahr zu schützen, die Anerkennung des ÜBER—ICH zu verlieren.
Die Abwehrmechanjsmen haben also auch eine Schutzfunktion, indem sie die seelische Gesundheit“ des Menschen schützen, d.h. sie dienen dazu, die sich widerstreitenden Faktoren und Konflikte innerhalb der Persönlichkeit oder zwischen dieser und der Umwelt auszugleichen. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass die Abwehrmechanjsmen die zwischenmenschlichen Beziehungen beträchtlich stören können.
Im Folgenden stelle ich einige der wichtigsten Abwehrmechanismen vor.
Verdrängung (ein typisch freudianischer Begriff) kann als eine Grund—Abwehr verstanden werden, die eigentlich bei jeder anderen Abwehr mit vorhanden ist, meist als erste Phase einer Abwehr.
Um die aus einem frustrierten Bedürfnis entstandene Angst zu reduzieren, weigert sich das bewusste ICH oft, diesen Wunsch des ES zur Kenntnis zu nehmen. Der Mensch vergisst oder leugnet ganz einfach die Existenz eines solch unbefriedigten Triebes und hält ihn automatisch unter der Bewusstseins-schwelle, ohne dass dieserVorgang bewusst wird.
Bei der Verdrängung geht es meist um ganz frühe Erfahrungen und primitive Wünsche des ES, die durch Zwang der Erziehung, des gesellschaftlichen Druckes, der Verbote und Gebote des UBER—ICH nicht zum Zuge kommen. Dieses Verdrängte sucht jedoch weiter Gelegenheit, an die Oberfläche zu kommen und bildet im Unbewussten eine Quelle von Konflikten.: „Ich möchte, aber ich darf nicht!“ Durch diesen Verdrängungsmechanjsmus können also momentan Schwierigkeiten vermieden werden, zugleich wird aber die eigentliche Lösung des Problems verhindert.
Rationallisierung bedeutet das verstandesmäßige Rechtfertigen eines Verhaltens, eine innere Ausrede. Das ICH ersetzt aus dem ES stammende, wahre, aber nicht eingestandene Motive (vom UBER—ICH verboten) durch unwahre, aber eingestandene Motive (vom UBER—ICH nicht verboten). Dieser unbewusste Vorgang ist zu unterscheiden von dem Versuch, ein Handeln vor anderen dadurch zu rechtfertigen, dass bewusst eine Entschuldigung zusammengebastelt wird. (Beispiel für Rationalisierung: Der Fuchs in der Fabel, der die Trauben als ‘sauer‘ bezeichnet, weil er sie nicht erreichen kann.) Der Rationalisierung begegnet man vor allem beim Theoretisieren und Intellektualisieren in Gesprächsgruppen: Ein Teilnehmer empfindet z.B. die Behandlung einer Frage oder die Emotionalität in einer Gruppe bedrohlich und beginnt unbewusst über die theoretischen Grundlagen des Themas zu sprechen. Oder die ÜÜberzeugung, dass man selbst nie einen Fehler macht und alles, was schief geht, den Verhältnissen oder anderen Leuten zuzuschreiben ist.
Regression bedeutet das Zurückfallen von einer genetisch späteren auf eine genetisch frühere Entwicklungsstufe, als Folge einer schweren Frustration. Man greift auf Reaktionsweisen früherer Entwicklungsstufen zurück. In einer solchen Situation der Unsicherheit und der Angst wird die Lösung eines Konfliktes mit Methoden versucht, die auf einer früheren Reifestufe eine Befriedigung der Bedürfnisse brachten. Diese Methoden entsprechen meist in auffälliger Weise nicht der altersspezifischen Reifestufe.. Den Anlass zur Regression bilden meist endgültige schwere Versagungen von Liebeswünschen.
Auswirkungen: Bettnässen von größeren Kindern, Trotzreaktionen bei Erwachsenen, völlige Abhängigkeit Erwachsener von Autoritäten unter Aufgaben von Selbstständigkeit und Entscheidungsfähigkeit.
Davon spricht man, wenn trotz zielgerichteter Bemühungen das Ziel nicht erreicht wird und das ICH wegen der daraus entstehenden Frustration weder neue Versuche unternimmt noch gleichwertige andere Ziele anstrebt, sondern einfach aufgibt, um eine nochmalige Kränkung zu vermeiden. So wird z.B. eine nichtbestandene Prüfung nicht wiederholt oder die Liebeswerbung um einen Menschen resigniert aufgegeben und auch nicht bei einem anderen wiederholt. Zurück ziehen erfolgt in die selbstgewählte Einsamkeit und beinhaltet die Tendenz zur Selbstbestrafung (Autoaggression, Depression) und zur Regression.
Mit diesem Abwehrmechanismus wird die Umkehrung eines Triebbedürfnisses in sein Gegenteil bezeichnet, eine Umkehrung, welche einmal durch eine Aktiv—Passiv - Umkehr des Triebbedürfnisses selbst und zum anderen durch eine Vertauschung des Triebobjektes durch das ICH (Substitution), bei einem Gleichbleiben des Triebzieles gekennzeichnet ist.
So wird etwa das Bedürfnis zu lieben in das Bedürfnis geliebt zu werden, das Bedürfnis zu quälen (Sadismus), in das Bedürfnis, gequält zu werden (Masochismus) verwandelt. Dieser Abwehrmechanismus scheint oft dort wirksam zu werden, wo bestimmte Triebimpulse auf Grund bestehender sozialer Normen nicht ungestraft geäußert werden können. So kann ein sehr aggressiver Mensch, der es sich auf Grund seiner Stellung nicht leisten kann, zu explodieren, z.B. in seinem Verhalten übertrieben freundlich sein. Perfektionismus wird ausgelebt, um einen Hang zur Schlampigkeit zurückzuweisen. Aggressivität steht im Vordergrund, um sich nicht die Liebe zu einem Menschen eingestehen zu müssen.
Dieser Abwehrmechanismus ist die unbewusste Verlagerung von Triebimpulsen, eigenen Fehlern, Wünschen, Schuld- und ähnlichen Gefühlen auf andere Personen und Gegenstände.
Kann z.B. jemand eine bestimmte Person nicht leiden, projiziert er seine eigenen
Hassgefühle in den anderen und kann ihn auf. diese Weise ungestört hassen.
C.G. Jung formuliert dazu: ,,Wir projizieren ungescheut und in der Regel völlig naiv unsere eigene Psychologie auf den Nebenmenschen und erwarten von ihm ähnliche Motive und Reaktionen wie unsere eigenen.“
Beispiele: Chronische Pechvögel, die alle anderen für ihre Schwierigkeiten verantwortlich machen. Menschen, die Sündenböcke suchen, auf die sie ihre Ängste und Fehler projizieren können. (Vorurteile sind rationalisierte Projektionen.)
Das ICH ersetzt ein ursprüngliches Triebobjekt durch ein Ersatzobjekt. Die Substitution kann eintreten, wenn die Befriedigung eines Bedürfnisses an einem bestimmten Objekt aus inneren oder äußeren Gründen unmöglich ist bzw. verhindert werden soll. So kann z.B. die aus dem ES stammende und gegen ein äußeres Objekt (Vorgesetzter) gerichtete Aggression an einem anderen äußeren Objekt, dem Ersatzobjekt (Untergebener) entladen werden. Eine typische Reaktion wäre, wenn der Vater x dem Sohn wegen einer Kleinigkeit eine Ohrfeige gibt, weil er Arger mit seinem Chef hatte.
Aber es kann ebenso die gegenüber einem äußeren Objekt bestehende Aggression auf das ICH zurückgewendet werden (Reversion) und damit das äußere Objekt durch das ICH ersetzt werden. Schließlich kann auch eine aus dem UBER—ICH stammende und gegen dos ICH gerichtete Aggression (Selbsthass, Selbstbeschuldigung), auf ein anderes Objekt (Sündenbock) gelenkt werden.
Hierbei handelt es sich nach Freud um ein Surrogat der Verdrängung, wo das ICH den Versuch macht, mit magischen Mitteln und Symbolen eine gestörte Ordnung wiederherzustellen, bzw. Erfahrungen oder Eindrücke, die für das TCH unangenehm und beängstigend waren, zurückzunehmen oder auszulöschen.
Beispiele: Symbolische Akte wie auf Holz klopfen, Daumen drücken, manche unref1ektierte Bußhandlung, zwanghaftes Händewaschen etc.
Diesen Abwehrmechanismus benutzt das ICH, um sich gegen Angst, die durch Unsicherheitsgefühle entstand, zu schützen. Das ICH macht auf einem Gebiet tatsächlicher oder eingebildeter Schwächen eine besondere Anstrengung, Psychische Mängel (Minderwertigkeitsgefühle) können durch das Anstreben der Vollwertigkeit oder Überwertigkeit kompensiert oder überkompensiert werden.
Beispiele: Wichtigtuerei körperlich sehr kleiner Menschen oder auch besondere Tüchtigkeit auf einem speziellen, aber sehr eingeschränkten Gebiet. Kompensation kann auch bedeuten, dass Eltern z.B. größere, auffällige Geschenke machen, um eine emotionale Vernachlässigung des Kindes zu kompensieren (Ersatzhandlungen).
Nach Freud wird die Identifikation des ICH mit dem Objekt auf dem Wege der Introjektion des Objektes in das ICH erreicht. Frustrierte Bedürfnisse werden kompensiert, indem Eigenschaften und Verhaltensweisen anderer Personen übernommen werden.
Beispiel: Ein Schüler, der sonst eine Führungsposition innehatte, fühlt sich an der neuen Schule als Führer abgewiesen und ist deshalb frustriert. Er identifiziert sich unbewusst in den nächsten Stunden mit dem Lehrer (kopiert dessen Verhaltensweisen und Techniken), wodurch er an seiner Machtposition teilzuhaben glaubt.
Bei diesem Abwehrmechanismus schützt sich das ICH dadurch vor Angst, dass es die verdrängten Triebwünsche in Form körperlicher Symptome zum Ausdruck kommen bringt (Psychosomatische Krankheitsbilder). Der seelische Konflikt beeinflusst hierbei direkt den Zustand und die Funktionen des Körpers.
Beispiele: Hautkrankheiten, Migräne, Magenbeschwerden. Diese inneren Zusammenhänge von seelischen Ursachen als Hintergrund von Krankheitsbildern werden auch in vielen symbolischen Begriffen dargestellt: „Das geht mir unter die Haut.“ „Das schlägt mir auf den Magen.“ „Da platzt mir der Kopf.“ „Mir bricht das Herz.“
Darunter versteht man, dass ein schizophrener Patient den Kontakt mit der Wirklichkeit mehr oder weniger verliert.
Der Autismus kann in verschiedenen Abstufungen vorkommen. Der Autist ist von seinen Wünschen und Bedürfnissen, mit denen er nicht umgehen kann oder deren Befriedigung nicht gelingt, völlig absorbiert. Dadurch ist seine Wahrnehmung und die Kommunikation mit der Umwelt stark beeinträchtigt. Bedrohliche Gruppensituationen können oft autistisches Verhalten bei den Gruppenmitgliedern hervorrufen.