1. Die GERMANISCHE ZEIT (vor dem 8.Jhdt)
Vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis ins vierte Jahrhundert nach Christus wanderten einzelne Völker durch Europa auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten. Berüchtigt wurden diese Germanenstämme durch ihre Kriegsbegeisterung. Im Kampf ruhmvoll zu sterben galt als höchste Ehre. Geistige Bildung galt nichts. Zwar gab es germanische Schriftzeichen, die Runen (runa = Geheimnis), die auf Buchenstäbe (=Buchstabe) geritzt, jedoch nur im religiösen Bereich verwendet wurden. Losrunen wurden ausgeworfen und wieder eingesammelt (lesen), um das Schicksal zu deuten.
Götter- und Heldenlieder wurden ausschließlich mündlich vorgetragen und überliefert. Karl der Große (768 – 814 n. Chr.) ließ diese Zeugnisse erst viel später aufschreiben.
Die berühmten Merseburger Zaubersprüche wurden in der Dombibliothek zu Merseburg gefunden. Sie haben die frühe Vorstellung der Wortmagie als Grundlage:
Phol ende Uuodan vuorun zi holza.Du uuart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.
Thu biguolen Sinthgunt, Sunna era suister
...
Phol und Wodan ritten in den Wald.
Da ward dem Fohlen Balders sein Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgund und Sunna, ihre Schwester.
...
Typisch für die Verskunst der althochdeutschen Dichtung ist der Stabreim (Alliteration). Schlüsselwörter beziehungsweise Silben, die die Hauptbetonung tragen, werden wiederholt, sie beginnen mit dem selben Laut, meist dem selben Konsonanten.
Die Germanen kannten neben den Zaubersprüchen auch noch verschiedene singbare Texte. Als Heldenlied ist uns nur noch das Hildebrandslied teilweise erhalten geblieben.
Aufgabe: Erkundet im Internet, Bücherei... den Inhalt des Hildebrandliedes
Im Kloster Fulda schrieb um 830 n. Chr. Ein unbekannter sächsischer Mönch den Heliand, eine Erzählung des Lebens Jesu. Dabei handelt es sich um den Versuch, den damals noch heidnischen Sachsen das Christentum nahe zu bringen. Deshalb gibt es zahlreiche Rückgriffe auf germanische Stammestraditionen, z.B. wird Jerusalem als Burg bezeichnet, Jesus tritt als Held und König mit seinen Gefolgsleuten auf, Pilatus ist Herzog auf der Römerburg. Jede Handlung, die nach kriegerischer Auseinandersetzung aussieht wird stark übertrieben, um die im Kampf geübten Germanen zu gewinnen. Dabei entsteht ein heroisches Jesusbild.
Durch die Christianisierung nehmen religiöse Themen in der Literatur zu und sind letztlich Inhalt aller Abhandlungen.
Zusammenfassung:
Die ältesten Zeugnisse deutscher Literatur stammen aus der Zeit der Völkerwanderung. Sie wurden zunächst mündlich überliefert und erst später, vor allem durch Mönche aus Fulda, aufgezeichnet. Die germanischen Stämme betonten in erster Linie das Heldenhafte und Magische. Dies findet in den Merseburger Zaubersprüchen und im Hildebrandslied seinen Ausdruck, wobei der Stabreim zur geeigneten Kunstform wurde. Mit der Christianisierung änderten sich die literarischen Inhalte. Der aus dem Lateinischen stammende Endreim löst den Stabreim ab.
Aufgaben:
Nenne Beispiele moderner Magie und Zauberei. Welchem Zweck sollten solche Praktiken damals und heute dienen?
Finde eine Sage, die einen ähnlichen Inhalt hat, wie das Hildebrandslied.
Vergleiche einen Abschnitt aus dem „Heliand“ mit der entsprechenden Stelle aus der Bibel.
2. Das FRÜHMITTELALTER (750-1170)
Nach sprachlichen Gesichtspunkten ist diese Zeit in drei Teilepochen einzuteilen:
althochdeutsche Literatur (bis 900): Es entstehen vor allem geistliche Texte auf dem Hintergrund der Pflege der Volkssprache (tiudisk = vom Volk gesprochen = deutsch) besonders während der Herrschaft Karls des Großen.
mittellateinische Literatur (bis 1025): aus dieser Zeit gibt es praktisch keine deutsche Überlieferung, alles ist lateinisch, was mit der Italienpolitik der neuen deutschen Kaiser zusammenhängt. Als wichtige Autorin ist hier Roswitha von Gandersheim zu nennen.
frühmittelhochdeutsche Literatur (bis 1170): Kurz nach 1000 n. Chr. setzt plötzlich die deutsche Überlieferung wieder ein, jetzt in einer neuen Sprachstufe, dem Frühmittelhochdeutschen; wichtig die sogenannte Spielmannsepik, die zwischen dem alten heidnischen Heldenepik und dem späteren höfischen Epos steht.
Bis 900 entstand althochdeutsche Literatur unter Einwirkung der karolingischen Renaissance.
Sammlung der germanischen Heldenlieder, Hofakademie mit lateinischer Hofpoesie,
Anlage von Bibliotheken,
Lektüre antiker Schriftsteller,
Vervielfältigung von Handschriften ,
Abfassung von Kommentaren;
Versammlung der geistigen Elite aller Stämme am Kaiserhof
Da die geistliche Absicht überwog, war die Literatur populär, deutschsprachig, vernachlässigte die Form - literarische Gebrauchsliteratur: katechistische Stücke, Gebete, Dichtungen über biblische Themen und Heiligenleben / Übernahme des lateinischen Endreims in die deutsche Dichtung.
Bis 1025 ottonische Renaissance – Vorherrschen der mittellateinischen Literatur.
Zentren: Erzbistum Köln, Kloster Fulda; Kaiserfamilie selbst
Die literarische Tätigkeit war zunächst grammatische Tätigkeit: Glossen, Glossare, Übersetzungen.
Die Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens sollte durch Askese gewonnen werden. Das Mönchtum galt als reinste Ausprägung des christlichen Menschen.
Ein beginnendes Übergewicht der französischen Hochschulen über die deutschen in der Scholastik (wissenschaftliche Verwertung der philosophischen Begriffe der Antike, um die Glaubenswahrheiten der Religion zugleich auch als Vernunftwahrheiten zu beweisen) und der Mystik (nicht das Wissen, sondern die Kontemplation als einem Geschenk Gottes führe zur Wahrheit und zur liebenden Selbstaufgabe in Gott) ist zu erkennen.
Literarische Hauptgattungen sind: Lehrgedicht, Predigt, Satire, Nacherzählung biblischer und legendärer Stoffe, religiöse Empfindungslyrik, Marienleben, Marienlyrik. Dabei kommt es zur „formalen Verwilderung“: beliebige Verslängen, beliebige Füllung der Senkungen, Reimpaare zu ungleichen Abschnitten geordnet.
Der vorhöfische Epos entsteht im Konkurrenzkampf der Geistlichen mit den Spielleuten. Es entwickelt sich die Spielmannsepik als Zwischenstellung zwischen Heldenepik und höfischer Epik.
3. HOCHMITTELALTER (1170-1270)
Blütezeit der mittelhochdeutschen Dichtung während der Zeit der staufischen Kaiser. Der lateinische Primat wird gebrochen, die deutsche Sprache wird Literatursprache. Diese Epoche ist die wichtigste der mittelalterlichen deutschen Literatur.
Die Schwerpunkte sind nun:
Das ritterliche Epos ( Sagenstoff um König Artus (zwischen 1160 und 1190) und der „Parzival“; neue, weltliche Ideale ("maze");
Minnelyrik.
Hauptvertreter:
Hartmann von Aue
Wolfram von Eschenbach
Gottfried von Straßburg
Walther von der Vogelweide
Die Hauptgattung, das höfisches Epos, liefert eine Fülle von Lebensidealen und Tugendvorstellungen, lebt aus der Spannung von Diesseits-Jenseits, weltlich-geistlich, Schönheit-Sünde, überbrückbar durch Ideale
Zentraltugenden sind:
- maze durch zuht (Erziehung wie Selbtzucht),
- hoher muot (seelisches Hochgestimmtsein),
- froide (heitere Lebenshaltung, sich selbst und den Widerständen des Lebens abgerungen),
- ere dem Kampfgegener gegenüber,
- triuwe oder staete dem Waffengefährten gegenüber,
- milte dem Untergebenen gegenüber
Zweite Hauptgattung - entsprechend der Sondersituation zwischen dichtendem Ministerialen und höfischer hochadeliger Dame, deren Gatte unterwegs war: Minnesang (gesellschaftliche Frauenverehrung um ihrer veredelnden Wirkungen willen/ die Frau als Korrektiv des Ritterstandes) - entsagendes Werben, seelische Bewegtheit durch ein unerfüllbares Sehnen / = Gesellschaftskunst, nicht Erlebniskunst
Kennzeichen der höfischen Literatur sind damit: ihr idealistisch-wirklichkeitsfremder, exklusiv-aristokratischer, streng-formal durchgebildeter Charakter. Erstrebt wurden Klarheit und kunstvolle Simplizität bis hin zur Zierlichkeit; Betonung der Quelle – das Publikum verlangte aus Gründen der Wahrheit Belegbarkeit, Geschichtlichkeit, Belesenheit, Bildung
Mit dem nachstaufischen Verfall des Rittertums beginnt dann das Bürgerliche in die literarische Produktion einzudringen – außer Stande den vom Rittertum gesteckten Rahmen auszufüllen - Verfall der alten Kunstformen und Ideale.
Das geistliche Drama ist ein wichtiger Teil einer neuen volkstümlichen Frömmigkeitsbewegung. Viele Marienlegenden entstehen.
In dieser Zeit entsteht aber auch z. B. „Till Eulenspiegel“, dessen Naivität die festgefahrenen Grundsätze und Regeln des städtischen Kleinbürgertums durcheinander wirbelt.
Hierzu bitte als Exkurs die andere Seite “Till Eulenspiegel” aufrufen und als Exkurs durcharbeiten!
4. SPÄTMITTELALTER (1270-1500)
Verlust des Höfischen, nicht Abkehr von ihm
Die Städte erstarken als Bildungszentren neben den Höfen – Zunftkämpfe; erweiterte Mäzenatenschicht; Papier als billigeres Verbreitungsmittel gegenüber dem älteren Pergament
Aufschwemmung der Epen, ungeheure Anreicherung des Stofflichen; Stilmischungen; Zug zum Realen, Nützlichen, Rationalen; Lehrdichtung, Zeit- und Gelegenheitsdichtung, politische Dichtung, Geschichtsschreibung, Reisebeschreibung, Schwank, Fastnachtsspiele (15. Jhd);
Neben dem Vers allmähliche Ausbreitung von literarischer Prosa; Haupttyp des geistlichen Spiels wird im 14. Jhd. das Passionsspiel
Bürgerliche Fahrende im 14. Jhd. - Kunst als Broterwerb
Meistersinger im 15. Jhd. - Kunst nebenberuflich und unentgeltlich
Mystische Literatur (griech. Myein – die Augen schließen); Frau wird literarisch mündig – Laienfrömmigkeit; Untergangsstimmung, Schwermut, Einfügung in die Welt
Zusammenfassung:
Das Hochmittelalter ist gekennzeichnet durch den Gegensatz zwischen der Kultur an den Höfen und dem harten Alltagsleben. Letzteres wird vor allem im Nibelungenlied deutlich. Im „Parzival“ und in zahlreichen Liedern von Walther von der Vogelweide werden die Ideale der ritterlichen Gesellschaft erkennbar: Es sind dies die ritterlichen Tugenden wie „ere“, „maze“, „zuht“ u.s.w. Mit dem Beginn der Mädchenlieder wendet sich die Literatur wieder stärker der Wirklichkeit zu. Dies verstärkt sich mit dem Ende der staufischen Epoche um 1250 und dem Niedergang des Rittertums zum Raubrittertum.
Bitte hierzu die Seiten zum Nibelungenlied und zu Parzival aufrufen und als Exkurs durcharbeiten aufrufen und den Exkurs durcharbeiten.
Aufgabe: Vervollständige die Stichpunkte zum Spätmittelalter und verfasse einen kurzen Text.