Psychologie der Kommunikation


 Hausarbeit von Ronja Ballreich BG 12 08. 06. 2007
 
In der Hausarbeit beschäftigte ich mich mit dem Thema „Kommunikationspsychologie“, sowohl allgemein als auch zur Analyse einer alltäglichen Gesprächssituation, unter Berücksichtung der verschiedenen Kommunikationstypen.


Inhaltsverzeichnis

  •  Kommunikationspsychologie
  • Gesprächssituation & Bedingungen
  •  Quadrat der Nachricht
  •  Nachrichten & Botschaften
  • Explizite & implizite Botschaften
  • Nonverbale Botschaften
  • Kongruente & inkongruente Botschaften
  • Offene, verdeckte & paradoxe Appelle
  • Vier Ohren, Aktives Zuhören & Selektive Authentizität
  • Kommunikationsstile & Teufelskreis
  • Werte- & Entwicklungsquadrat
  • Kommunikationsstörungen & Metakommunikation
  • Wertende Stellungnahme
  • Quellen & Eidesstattliche Versicherung

 


Kommunikationspsychologie


 
Die Kommunikationspsychologie dient sowohl zur Erforschung des Kommunikationsverhaltens als auch zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation, das heißt, sie versucht menschliche Probleme als Störungen der Kommunikation zu analysieren. Des Weiteren dient sie zur Schulung der kommunikativen Fähigkeiten und zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Überdies unterstützt die Kommunikationspsychologie die Beantwortung der beiden zentralen Fragen: „Wer bin ich, wofür stehe ich, was ist mein Anliegen?“ und „Was kann ich tun, um gehört, verstanden und als überzeugend wahrgenommen zu werden?“.
 
Es gibt daher zum einen eine humanistische Kommunikationspsychologie und zum anderen eine systemische Psychologie. Bei der humanistischen Psychologie geht um die Persönlichkeit des Einzelnen und dessen Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Dazu muss er sich in Selbstwahrnehmung, Authentizität (Offenheit, Ehrlichkeit), aktivem vierohrigem Zuhören und in Empathie („sich in den anderen hineinversetzen“) üben. Dahingegen geht es bei der systemischen Kommunikationspsychologie nicht um die individuelle Person, sondern um das miteinander Agieren und das aufeinander Reagieren im sozialen System.
 
Folglich geht es bei der Kommunikationspsychologie keinesfalls um Interpunktion (Schuldzuweisung), sondern um das Erkennen des Systems, an dem stets mindestens Zwei beteiligt sind. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Kommunikationspsychologie entindividualisierend und entmoralisierend ist. Das heißt, Kommunikation ist kreisförmig – besitzt kein Anfang und Ende – (dadurch gibt es auch keine Möglichkeit der Interpunktion) und die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen ergeben sich aus der Interaktion (Wechselbeziehung zwischen Sender und Empfänger) und nicht aus dem Verhalten des Einzelnen.


Gesprächssituation & Bedingungen


 Um ein Gespräch richtig zu analysieren, muss man sich mit den situativen, personalen und finalen Bedingungen vertraut machen. Wenn man diese Bedingungen nämlich nicht oder nur teilweise kennt, ist es durchaus möglich, dass man das Geschehen bzw. Gespräch völlig falsch auffasst.
 
Die situativen Bedingungen stellen das Umfeld bzw. den Ort des Geschehens dar. Die personalen Bedingungen zeigen die Personen, die an dem Gespräch beteiligt sind und wie sie zueinander stehen. Die finalen Bedingungen zeigen die Absichten des Senders bzw. die Erwartungen des Empfängers.
 

Situative Bedingung:              Zuhause von Georg und Anna (bekanntes bzw. alltägliches Umfeld)
Personale Bedingung:            Georg (Sender), aggressiv-entwertender und bestimmend-kontrollierender Kommunikationstyp kommuniziert mit seiner arbeitslosen  25-jährigen Tochter Anna (Empfänger)
Finale Bedingung:                  Zurechtweisung von Anna, weil sie nur »rumhängt« anstatt Geld zu verdienen


Quadrat der Nachricht

 
Jede Nachricht umfasst viele Botschaften gleichzeitig. Diese werden auf vier Seiten verteilt: Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell. Jedoch wird davon zumeist nur die Sachseite explizit ausgesprochen und alle anderen Botschaften sind implizit („stehen zwischen den Zeilen“), was allerdings keineswegs heißt, dass diese weniger bedeutend sind.
 
Der Sachinhalt ist die Seite der Nachricht, die Informationen über die mitzuteilenden Dinge und die Vorgänge in der Welt aufweist und ist vorwiegend der Teil der Nachricht der ausdrücklich mitgeteilt wird.
 
Die Selbstkundgabe ist das, was man von sich selbst preisgibt (über seine Persönlichkeit und seine aktuelle Befindlichkeit). In jeder Nachricht steckt ein Stück Selbstkundgabe (bewusste Selbstdarstellung und unfreiwillige Selbstenthüllung) und spiegelt sich in Ich-Botschaften wider.
 
Eine weitere Seite der Nachricht ist die Beziehungsseite. Daraus geht hervor, was man vom Empfänger hält und wie Sender und Empfänger zueinander stehen. Oft zeigt sich dies in den Formulierungen, im Tonfall und anderen nonverbalen Begleitsignalen. Eine Nachricht senden heißt also auch immer, zu dem Empfänger eine bestimmte Art von Beziehung auszudrücken. Diese Nachrichtenseite äußert sich einerseits in Du-Botschaften und andererseits in Wir-Botschaften.
 
Schließlich gibt es noch den Appell. Auf diese Art möchte der Sender den Empfänger dazu veranlassen, in bestimmter Weise zu denken, zu fühlen und zu handeln. Diese Einflussnahme kann mehr oder minder offen oder verdeckt erfolgen, wobei man beim letzteren Fall normalerweise von Manipulation spricht.
 

Der Sachinhalt wird in der Gesprächssituation implizit mitgeteilt. Diese Seite der Nachricht informiert uns darüber, dass Anna entweder Zuhause wohnt oder finanziell abhängig ist.
 
Georg gibt von sich selbst kund, dass er wütend auf seine Tochter ist (implizit durch das Verhalten) und, dass er die »Hosen im Haus an hat« und daher weiß, was für seine Tochter richtig und gut ist.
 

 
Die Beziehungsseite zeigt, dass Georg seine Tochter für unselbstständig hält und ihr daher sagen muss, was sie zu tun und lassen hat.
 
Den Appell drückt Georg unmissverständlich und offen aus, indem er Anna sagt, dass sie sich so verhalten soll, wie er es möchte bzw. wie er es für richtig hält.


Nachrichten & Botschaften


Explizite & implizite Botschaften
 
Botschaften können in der Nachricht sowohl explizit als auch implizit vorhanden sein. Explizite Botschaften sind solche, die ausdrücklich und offensichtlich formuliert sind. Implizite Botschaften hingegen sind solche, die zwar in der Nachricht enthalten sind, jedoch indirekt und verhüllt mitgeteilt werden („zwischen den Zeilen stehen“). Bei allen vier Seiten der Nachricht sind explizite wie auch implizite Botschaften möglich. Die impliziten Botschaften sind häufig durch bestimmte Tonfälle, Formulierungen, Gesten und Mimiken gekennzeichnet. Obwohl die expliziten Botschaften deutliche Formulierungen aufweisen, enthalten zumeist jedoch die impliziten Botschaften die eigentliche Hauptbotschaft. Einige Kommunikanten verwenden sogar vorzugsweise implizite Mitteilungen, um sie notfalls zu bestreiten („Das habe ich nie gesagt!“).
 
Das Problem bei expliziten Botschaften ist, dass man - durch diese eindeutig formulierten Nachrichten - möglicherweise jemanden vor den Kopf stößt. Es kann zum Beispiel für den Empfänger äußert unangenehm (psychisch und emotional) werden, wenn man ihm eine schlechte Nachricht überbringt und ihm diese unverblümt ins Gesicht sagt.
 
Dahingegen liegt die Schwierigkeit bei impliziten Botschaften, dass diese überaus leicht missverstanden werden können, da sie oft sehr unklar sind und der Sender eventuell damit was anderes ausdrücken wollte, als das was der Empfänger darin erkennt. Ein Beispiel dafür ist die Ironie, denn dabei ist die implizite Botschaft das Gegenteil (das tatsächlich Gemeinte) vom Gesagten. Möglicherweise ist der Empfänger jedoch nicht in der Lage diese implizite Botschaft zu erkennen und zu verstehen und fasst demzufolge die Konversation völlig (oder teilweise) falsch auf.
 
Nonverbale Botschaften
 
Die Kommunikation gliedert sich in drei Systeme – das verbale (Wort, Schrift, Sprache), das paraverbale (Stimme, Betonung, Aussprache) und das nonverbale System (Körpersprache und Objektsprache). Die Nachrichten einer Kommunikation enthalten also sowohl verbale als auch nonverbale Anteile, das heißt beim Letzteren erfolgt die Verständigung durch Gestik, Mimik und andere optische Zeichen.
 
Menschen bekräftigen unwillkürlich ihr Gespräch mit nonverbalen Gebärden (wie z. B. Physiognomie, Bewegung oder Körperhaltung). Nonverbale Zeichen werden vor allem zur Unterstützung der Kommunikation verwendet, da dadurch bestimmte Dinge hervorgehoben werden können. Nonverbales dient zugleich der besseren Verständigung und als eigenständiges Kommunikationsmittel wie zum Beispiel bei der Daktylologie (Gebärdensprache). Deshalb gehört auch das Schweigen zu den nonverbalen Äußerungen („Man kann nicht, nicht kommunizieren“), denn es beinhaltet, ebenso wie verbale Nachrichten, zahlreiche Botschaften.
 
Kongruente & inkongruente Botschaften
 
Ebenso wie explizite und implizite Botschaften können auch kongruente und inkongruente Botschaften in Erscheinung treten. Bei kongruenten Botschaften stimmen die verbalen und die nonverbalen Signale überein, wohingegen sie bei inkongruenten Botschaften im Widerspruch zueinander stehen.
 
Aufgrund der Bedeutsamkeit von nonverbalen Anteilen kann man feststellen, dass es äußert verwirrend und kompliziert ist, wenn der Sender inkongruente Signale von sich gibt, denn dann kann sich der Empfänger nie sicher sein, ob nun die verbalen oder die nonverbalen Zeichen die wahre Befindlichkeit des Sender widerspiegeln. Einige Menschen senden inkongruente Botschaften, um daraus einen Vorteil zu ziehen, denn durch die Inkongruenz hat sich der Sender nicht richtig festgelegt, und kann seine gesendete Nachricht notfalls bestreiten oder behaupten, dass er es so nicht gemeint habe. Andererseits können inkongruente Signale auch ganz ungewollt gesendet werden. Dieser Fall tritt ein, wenn der Sender sich selbst nicht ganz im Klaren darüber ist, was er nun eigentlich will. In seinem Inneren herrscht ein Durcheinander, welches dann auch so nach außen dringen kann, wenn der Sender noch keine Ordnung hineingebracht hat.
 
Offene, verdeckte & paradoxe Appelle
 
Botschaften können ebenso verdeckte wie auch offene Appelle aufweisen. Ein verdeckter Appell enthält einen Appell an den Empfänger, der jedoch nicht klar ausgedrückt ist und vielmehr aus dem Sinn herauszuhören ist. Im Gegensatz dazu steht der offene Appell; dieser enthält einen deutlich formulierten Aufruf an den Empfänger der Nachricht.
 
Das Problem der offenen Appelle ist ähnlich den expliziten Botschaften, denn es besteht die Gefahr, dass man Gefühle im Empfänger hervorruft, die auf irgendeine Weise verletzend oder ähnliches sind. Jedoch kann der Empfänger bei offenen Appellen den Auftrag klar erkennen und diesen dann nach Möglichkeit auch richtig ausführen. Hier besteht die Gefahr bei verdeckten Appellen.
 
Bei den verdeckten Appellen kann es zu großen Missverständnissen kommen, denn der Empfänger erkennt möglicherweise den verdeckten Appell nicht, missversteht ihn oder fühlt sich nicht angesprochen. Ferner werden verdeckte Appelle auch als Mittel der Manipulation verwendet, denn damit kann man Menschen mehr oder weniger leicht dazu bringen, bestimme Dinge zu tun oder nicht zu tun.
 
Es gibt aber nicht nur verdeckte und offene Appelle, sondern auch so genannte paradoxe Appelle. Diese Art von Appell impliziert das Gegenteil dessen, was auf der Appellseite ausgedrückt wird, das heißt, der Sender übermittelt einen Appell, der jedoch das Gegenteil ist, von dem was er eigentlich ausdrücken möchte. Die Schwierigkeit des paradoxen Appells besteht also darin, dass der Sender den Empfänger dazu bringen möchte, etwas Bestimmtes zu tun, wobei dieser den Weisungen des Senders nicht nachkommen kann, da er den tatsächlichen Appell möglicherweise nicht versteht.
 

Georg teilt seiner Tochter explizit (in einem offenen Appell) mit, was er von ihr möchte, aber er teilt ihr implizit mit, was er von ihr und ihrem Verhalten hält. Der implizite Nachrichtenteil äußert sich besonders in Georgs nonverbale Äußerungen. Er spricht in einem aggressiven und lauten Tonfall, hat einen wütenden Gesichtsaudruck (Stirnrunzeln, zusammengezogene Augenbrauen, verkniffener Mund) und eine angreifende bzw. beschuldigende und überlegene Körperhaltung (fester Stand, mit dem Finger auf sein Gegenüber zeigend) eingenommen. Georgs Nachricht an Anna ist also kongruent, denn sein nonverbales Verhalten passt zu dem, was er verbal geäußert hat.

Vier Ohren       
       
 
Ebenso wie der Sender Botschaften mit vier Seiten von sich gibt, verfügt der Empfänger über vier Ohren (Sachohr, Selbstkundgabeohr, Beziehungsohr und Appellohr), mit denen er diese Nachrichten aufnimmt. Je nachdem wie die Ohren ausgerichtet sind, entscheiden sie darüber, wie das Gesagte verstanden wird.
 
So versucht der Empfänger mit dem Sachohr den wesentlichen Gehalt an Informationen zu erkennen und zu verstehen.
 
Mit dem Selbstkundgabeohr beurteilt der Empfänger die innere Verfassung des Senders.
 
Mit dem Beziehungsohr nimmt der Empfänger auf, was der Sender vom ihm zu halten scheint und fühlt sich dementsprechend behandelt. Zumeist ergeben sich die Gefühle des Empfängers aus den erhaltenen Beziehungsbotschaften und beeinflussen folglich auch das Selbstwertgefühl des Menschen.
 
Außerdem kann der Empfänger mit dem Appellohr die Anordnungen heraushören, die er an sich gerichtet spürt.


Aktives Zuhören & Selektive Authentizität

Überaus wichtig für das aktive Zuhören sind die vier Ohren, denn beim aktiven Zuhören geht es darum, die Botschaften mit dem richtigen Ohr aufzunehmen, um sich dadurch in die innere Welt des Senders hineinzuversetzen (Empathie) und auch seine verdeckten Nachrichten zu erkennen. Dazu muss der Empfänger sich mit allen Sinnen auf den Gesprächspartner konzentrieren, ihm Aufmerksamkeit und Interesse entgegenbringen und möglichst präzise in eigenen Worten wiedergeben, was an sachlichen Äußerungen (Paraphrasieren) und emotionalen Aussagen (Verbalisieren) angekommen ist.
 
Dementsprechend sollte der Empfänger dann seine Antworten mit einer gewissen selektiven Authentizität ausfallen lassen. Damit ist gemeint, dass der Empfänger offen und ehrlich zu seinem Gegenüber ist, sich jedoch der Situation angemessen verhält, so dass er seinen Gesprächspartner nicht verletzt oder andere negative Gefühle in ihm hervorruft.

 
Kommunikationsstile & Teufelskreis


Nach Friedemann Schulz von Thun gibt es acht Kommunikationsstile. Jedoch besitzt ein Kommunikant nicht nur einen Kommunikationsstil, sondern eine Mischung aus mehreren. Die Kommunikationsstile sind:
 
1.       bedürftig-abhängig
2.       helfend
3.       selbstlos
4.       aggressiv-entwertend
5.       beweisend
6.       bestimmend-kontrollierend
7.       distanzierend
8.       mitteilungsfreudig-dramatisierend
 
Bei manchen Menschen sind bestimmte Stile stärker ausgeprägt als andere. Viele Kommunikationsstile haben wir unbewusst in uns und nehmen sie überhaupt nicht wahr. Manche von den Stilen die wir ins uns haben ergänzen sich sehr gut, andere wiederum stehen in einem ambivalenten Gegensatz zueinander.
 

Aus dem Gesprächsbeispiel zeigt sich, dass Georg eine Mischung aus aggressiv-entwertendem und bestimmend-kontrollierendem Kommunikationsstil ist. Diese beiden Stile ergänzen sich sehr gut, sind ineinander schlüssig und ergeben ein autoritäres Verhalten.
 
Durch die beiden Kommunikationsstile, die Georg in sich vereint, verhält er sich entsprechend: er wertet sich selbst auf, macht seine Tochter dafür klein und setzt sie herab, indem er über sie bestimmt und sie kontrolliert. Georg verhält sich von oben herab, stellt also die Fehler und Charakterschwächen von Anna in den Vordergrund (um seine eigenen zu verbergen), ist aber überzeugt, dass sie es nicht anders verdient hat. Er offenbart von sich selbst, dass er über seiner Tochter steht und als einziger weiß, was richtig (für sie) ist und sie ihm daher unterlegen ist. Er sieht Anna als ein minderwertiges Wesen an, dem man sagen muss, was es zu tun hat, da sie allein nicht zurechtkommt und gibt ihr daher ausdrückliche Verhaltensanweisungen. Sein starkes Minderwertigkeitsgefühl, welches er durch sein Verhalten verbergen will, hat sich in seiner frühen Kindheit entwickelt. In dieser Zeit wurde Georg gedemütigt, hat ständige Vorhaltungen – was richtig und anständig ist – bekommen und ist für jedes Fehlverhalten sofort gemaßregelt (möglicherweise auch mittels Gewalt) worden. All diese inneren Gefühle, die sich in diesem Zeitraum entwickelt haben, zeigen sich nun in Georgs Verhalten gegenüber seiner Tochter Anna.
 

 

Werte- & Entwicklungsquadrat


 
Das Werte- und Entwicklungsquadrat zeigt die Werte einer Person auf und die möglichen Entwicklungsrichtungen, je nachdem in welchem Verhältnis die Werte zueinander stehen. Im oberen Bereich steht ein positiver Gegenwert, der in einem ausbalancierten Verhältnis mit einem anderen positiven Gegenwert (so genannte Schwestertugend) stehen sollte. Befinden diese sich jedoch nicht Balance, verkommt ein positiver Wert zu seiner entwertenden Übertreibung.
 

Georg würdigt Anna herab, beherrscht sie mit einer Überkontrolliertheit und einem bestimmenden Autoritarismus. Er sollte lernen, dass Kritik nicht nur Negatives enthält, sondern eine allgemeine und neutrale Bewertung des anderen ist. Durch seine ab- und entwertende Haltung versteckt er seine eigenen Schwächen, daher sollte er auch an sich selbst Kritik üben und lernen sich selbst und seine Schwächen zu akzeptieren und respektieren. Natürlich soll er auch anderen (zum Beispiel seiner Tochter Anna) den nötigen Respekt und Wertschätzung entgegenbringen, jedoch sollte er es nicht in Schmeichelei oder Anbiederei ausarten lassen, da er sich sonst nur einen anderen negativen Wert aneignet. Natürlich kann Georg seiner Tochter gegenüber Verhaltensregeln aufzeigen (Direktivität), aber er sollte es nicht übertreiben. Genauso sollte er ihr nicht mit Desinteresse und Gleichgültigkeit gegenübertreten, denn dadurch würde er sie ebenso herabwürdigen, wie wenn er über sie bestimmt und sie kontrolliert. Georg sollte Anna gegenüber also ein gesundes Maß an Respekt und Toleranz zukommen lassen, so dass sie sich nicht eingeengt (von ihren Eltern beherrscht), aber auch nicht minderwertig (durch Nichtbeachtung der Eltern) fühlt. Jedoch sollte man beachten, dass nicht nur Georg sein Verhalten ändern sollte, sondern auch seine Tochter, denn die Fehler liegen nicht nur auf Georgs Seite, sondern herrschen zwischen den beiden.
 

 

Kommunikationsstörungen

 
Es gibt viele Kommunikationsstörungen, einige sind einfach zu vermeiden, andere hingegen nur äußert schwer. Im Folgenden werden einige häufig auftretende Kommunikationsstörungen erläutert.
 
Nachrichten die komplizierte, unübersichtliche, zusammenhanglose und weitschweifige, also unverständliche, Informationen enthalten sind eine mögliche Kommunikationsstörung, die aber leicht behoben werden kann, indem man eine einfache, übersichtliche, geordnete, kurze und prägnante Botschaft sendet.
 
Komplizierter wird es mit den Hörgewohnheiten des Empfängers. So kann es sein, dass der Empfänger eine bestimmte Seite der Nachricht für die entscheidende Botschaft hält, während es dem Sender um eine ganz andere Seite gegangen ist. Es liegt auf der Hand, dass sich darauf tief greifende Missverständnisse zwischen dem Sender und dem Empfänger entstehen können, obwohl die gesendete Nachricht scheinbar klar und unmissverständlich war.
 
Was ebenfalls zu einer Störung der Kommunikation führen kann, sind implizite Botschaften, Inkongruenz zwischen den verbalen und nonverbalen Anteilen und paradoxe Botschaften. Besonders groß ist hier die Gefahr bei den impliziten Botschaften, da diese am meisten gesendet werden, aber je nachdem wie der Empfänger hört, falsch, teilweise oder gar nicht wahrgenommen werden. Inkongruenz führt zu Verwirrung des Gesprächspartners, weil dieser nicht versteht, welchem Teil, verbal oder nonverbal, der Nachricht er nun Glauben schenken soll. Dasselbe Problem ist auch bei den paradoxen Botschaften, weil der Empfänger nicht weiß, wie er auf die empfangene Nachricht reagieren soll.


Metakommunikation

Metakommunikation ist eine gute Möglichkeit um eine gestörte Kommunikation, Schwierigkeiten und Missverständnisse zu analysieren und vielleicht zu verbessern. Mit Metakommunikation ist die Kommunikation über die Kommunikation gemeint, also eine Konfrontation über die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen und wie wir Nachrichten gemeint bzw. empfangen haben. Durch Metakommunikation versucht man einen Einblick in die eigene Innenwelt zu gewinnen, also über sich selbst klar werden, und zu erkennen, warum und wieso man eine gestörte (Kommunikations-)Beziehung hat. Sie dient also dazu, die Kommunikation bewusst zu erleben, zu hinterfragen und nach Möglichkeit eine Lösung für das Problem zu finden. Jedoch muss man aufpassen, dass man die Kommunikationsfehler nicht auch auf der Ebene der Metakommunikation macht. Wichtig für die Metakommunikation ist daher das Aktive Zuhören und Authentizität gegenüber sich selbst und anderen.
 
Es gibt drei verschiedene Stellen, an denen man ansetzen kann, um gestörte Kommunikation zu verbessern bzw. zu heilen. Wenn man der Störung richtig auf den Grund gehen will, sollte man jedoch nicht nur an einem Punk ansetzen, sondern an allen drei.


1.       Ansatz am Individuum
 
Das bedeutet, dass man versucht seine eigene Persönlichkeit und dadurch seine Kommunikation zu verbessern. Dabei muss man jedoch aufpassen, dass man die Ursachen einer gestörten Kommunikation nicht nur beim Individuum sucht.
 
2.       Ansatz an der Art des Miteinanders

 
Bei diesem Ansatz werden nicht die einzelnen Personen, als Ursache der Kommunikationsstörung angesehen, sondern das gesamte System wird betrachtet. Es wird also niemandem die Schuld zugewiesen, sondern die Interaktion, die Wechselbeziehung zwischen Sender und Empfänger, betrachtet.
 
3.       Ansatz an den gesellschaftlichen bzw. institutionellen Bedingungen
 
Hier muss das Milieu indem sich die Kommunikanten befinden verändert werden, denn die Zustände unter denen sie zusammenkommen, zwingen ihnen möglicherweise bestimmte Umgangsformen auf und rufen dadurch Störungen in der Kommunikation hervor.
Wertende Stellungnahme

 
Meiner Meinung nach ist Kommunikation ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Lebens und somit ist auch Kommunikationspsychologie ein wichtiger Aspekt. Ich selbst sehe die Kommunikationspsychologie als eine Hilfe für richtige und gute Kommunikation an. Man kann dadurch seinen eigenen Kommunikationsstil verbessern und somit auch eine charakterliche Veränderung durchleben. Am Werte- und Entwicklungsquadrat kann man zum Beispiel seine eigenen positiven oder negativen Werte darstellen, analysieren und dadurch eine mögliche Verbesserung anstreben. Ohne Kommunikationspsychologie würde möglicherweise keiner merken, dass er schlecht kommuniziert, zum Beispiel indem man ständig jemandem vor den Kopf stößt, nur weil man immer explizite Botschaften sendet und dabei jedoch ohne selektive Authentizität und Empathie vorgeht. Außerdem lernt man dadurch besser, auf die übermittelten Botschaften zu achten, sowohl auf die Sprache als auch auf Mimik und Gestik. Durch diese erhöhte Aufmerksamkeit der verbalen und nonverbalen Kommunikation kann man auch die einzelnen Teile der Nachricht (Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell) besser auseinander halten und somit auch das Risiko des »Aneinander-Vorbeiredens« vermindern. Ich finde es jedoch nicht immer ganz einfach, die verschiedenen Teile der Nachricht auseinander zu halten, aber ich denke, es ist zum Teil auch Übungssache bzw. ein lebenslanger Lernprozess.
 
Kommunikationspsychologie ist außerdem wichtig, weil man durch sie Kommunikationsstörungen beheben kann. Wenn man jedoch Kommunikation oder Kommunikationsstörungen analysiert, muss man besonders aufpassen, denn es gibt sehr viele Einflussfaktoren (unter anderem situative, personale und finale Bedingungen), die bei der Kommunikation eine Rolle spielen.
 
Durch die Kommunikationspsychologie kann ich meine eigene Kommunikation verbessern und zum Beispiel falsche Hörgewohnheiten berichtigen und damit das Zusammenleben mit anderen verbessern. Kommunikation ist vielmehr als einfach nur eine Information an jemanden zu übermitteln. Sie bestimmt einen Großteil unseres Lebens, unserer Beziehungen, unseres Verhaltens und unserer Handlungen. Durch das Erkennen der verschiedenen Strömungen eines Kommunikationsstils in einer Person, kann man sich besser in sie hineinversetzen und ihr auch so helfen, Schäden die derjenige (in seiner Kindheit) erlitten hat, als Probleme bzw. Störungen zu erkennen und sie dadurch zu lösen. Für sehr sinnvoll halte ich daher auch die Metakommunikation, weil sie sehr dazu beiträgt Kommunikationsstörungen zu heilen und somit das Leben erheblich verbessern kann. Durch die Kommunikationspsychologie kann man sich auch bewusst werden, was wir mit unserer Kommunikation alles an- und ausrichten. Außerdem zeigt sie, dass man erst überlegen sollte, was man eigentlich möchte und dies dann auch so zum Ausdruck bringen, wobei man sein Gegenüber natürlich nicht verletzen sollte.
 
Etwas Negatives an der Kommunikationspsychologie ist jedoch, dass Menschen, die sich gut damit auskennen, andere Leute manipulieren können, denn sie können deren Verhaltensmuster und Kommunikationsstil besser erkennen und sich dieses zunutze machen. Durch implizite Botschaften oder verdeckte Appelle können sie zum Beispiel die Menschen zu einem bestimmten Verhalten und Handeln bringen. Außerdem können sie sich gut eine Fassade aufbauen, hinter der sie sich verstecken oder andere Menschen dadurch täuschen können, weil sie wissen worauf es ankommt (zum Beispiel senden von inkongruenten Botschaften, um sie notfalls zu dementieren).
 
Die Kommunikationspsychologie hat mir auf jeden Fall geholfen, die Gesprächssituation zu analysieren. Ohne sie hätte ich zum Beispiel gar nicht auf die situativen, personalen und finalen Bedingungen geachtet. Außerdem hätte ich die Schuld für diese aggressive und bestimmende Kommunikation nur allein bei Georg gesucht, also Georg als Täter und Anna als Opfer gesehen, und nicht auf die Interaktion zwischen Georg und Anna zurückgeführt.

Alles in allem halte ich Kommunikationspsychologie für durchaus sinnvoll und nützlich. Und wenn sich jeder Mensch mal ein bisschen mit Kommunikationspsychologie auseinandersetzen würde, gäbe es bestimmt weniger Missverständnisse und ein besseres Verhältnis zwischen den Menschen. Ich finde es daher auch gut, dass wir über dieses Thema eine Hausarbeit schreiben sollten, denn so haben wir uns alle noch mal mit der Kommunikationspsychologie auseinandergesetzt und somit einen tieferen Einblick bekommen.

 


Quellen & Versicherung


 
Quellen

  • Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden 1, Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH, Reinbek 1995

 

  • Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden 2, Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH, Reinbek 1997

 

Versicherung
 
Ich, Ronja Ballreich, versichere nach bestem Wissen und Gewissen, dass diese Hausarbeit aus einer absolut eigenständigen Leistung entstanden ist, ausnahmslos alle wörtlichen und sinngemäßen Zitate gekennzeichnet und alle verwendeten Quellen im Quellenverzeichnis richtig und vollständig nachgewiesen sind.