Analyse einer Gesprächssituation
Magdalena Desch
Inhaltsverzeichnis
o Einleitung (in die allgemeine Kommunikationspsychologie)
o Interpretation
• Aussage
• Vier Seiten einer Nachricht
• Darstellung
• Vertiefung
o Kommunikationsstile
o Wertende Stellungnahme
o Quellenverzeichnis
o Erklärung
Einleitung
Oft verstehen wir eine Aussage einer Person anders, als diese eigentlich gemeint war. Grund dafür ist, dass eine Nachricht verschiedene Botschaften enthält. Gerade dies macht den Vorgang der zwischenmenschlichen Kommunikation so kompliziert und störanfällig, aber auch gerade deshalb so aufregend und spannend.
Kommunikation ist im Alltag zwischenmenschlicher Beziehungen, sowie im Schulunterricht ein wichtiges Thema. Wir Menschen reden oft aneinander vorbei und können uns meist schwer in die Lage des Anderen hineinversetzen. Um seine Mitmenschen und vor allem sich selbst besser zu verstehen, kann das „Kommunikationsquadrat“ oder auch „Vier-Ohren-Modell“ von Friedemann von Thun eine große Hilfe sein.
Das Kommunikationsquadrat besteht aus vier Säulen, die auch als die vier Verständlichmacher einer Nachricht anzusehen sind.
Friedemann Schulz von Thun entwickelte es, um Menschen eine Hilfestellung anzubieten, damit diese „sachlich und persönlich besser miteinander klar kommen“ , was er in seinem Buch “Miteinander Reden” sehr anschaulich illustrierte.
Um die Botschaften, die in einer Aussage enthalten sind, herausfiltern zu können, unterscheidet man in vier seelisch bedeutsame Seiten:
1. Sachseite
2. Beziehungsseite
3. Appell
4. Selbstkundgabe
Die Sachseite stellt den sachlichen Teil der Aussage dar. Es sind die Fakten die geäußert wurden.
Die Selbstkundgabe trägt im ersten Band seines Buches den Namen „Selbstoffenbarung“. Da jedoch mit diesem Begriff zu viele negative Assoziationen verbunden wurden, (z.B. dass man unfreiwillig etwas von sich preis gibt), hat von Thun diesen Begriff erneuert. Die Selbstkundgabe verrät etwas über das Innere des Menschens, der sich gerade geäußert hat (des Senders der Kommunikation). Sie zeigt, wie dieser ist und wie er sich fühlt. Jeder, der etwas von sich gibt, gibt damit auch stets eine Kostprobe seiner Persönlichkeit.
Die Appellseite gibt Auskunft darüber, was der Sender einer Nachricht bezwecken will und was sein Ziel der Aussage ist, denn jeder, der etwas von sich gibt, möchte in der Regel auch etwas damit bewirken.
Auf der Beziehungsseite wird deutlich, was man über seinen Gesprächspartner denkt und wie man zu ihm steht. Dies wird unter anderem durch die Art und Weise der Kommunikation, wie beispielsweise durch die Lautstärke des Redens, durch Gestik und Mimik deutlich.
Allen vier Seiten sollte man gleichmäßig viel Gehör schenken, also sich stets darum bemühen, mit allen vier Ohren zu hören. Gewichtet man eine Seite stärker als alle anderen, so kann es zu Missverständnissen kommen und dazu führen, dass die zwei Gesprächspartner aneinander vorbeireden.
Kommunikation ist stets kreisförmig, das heißt, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt.
Würde man zwei Gesprächspartner, welche sich gestritten haben, fragen, wann der Streit begonnen hat, würden beide in der Regel von verschiedenen Momenten berichten.
Der Begriff „Schuld“ sollte komplett aus dem Themenfeld gestrichen werden. (Deshalb wird die Kommunikationspsychologie auch entmoralisierend bezeichnet.) Wenn überhaupt. Es ist angemessener, von Ursache und Auslöser zu sprechen. Aber selbst dies ist nicht ganz zutreffend. Im Grunde genommen gibt es keine wirkliche Ursache nur eine Folge von Wechselwirkungen. Es geht im Kontext der Kommunikationspsychologie nicht darum, jemandem die Schuld für ein Ereignis zuzusprechen, sondern vielmehr darum, eine missglückte Kommunikation zu erkennen, zu verstehen und evtl. zukünftige Missverständnisse vorzubeugen.
Die Bezeichnung der Metakommunikation ist ein wichtiges, doch noch zu wenig benutztes Element der Kommunikation. Es geht dabei darum, die misslungene Kommunikation zu vermeiden. Das „Reden über das Reden“ handelt über die Art und Weise der Kommunikation und soll die Gesprächsbeteiligten einander besser verstehen lassen.
Natürlich ist das Gebiet der Kommunikation gar nicht so einfach, denn hierbei müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. So genannte personale(Charakter, Gefühle...), situative (Begebenheiten wie Ort, Zeit, Vorgeschichte...) und finale Bedingungen (Ziele) spielen bei der Kommunikation eine entscheidende Rolle.
Eine Kommunikation besteht nicht nur ausschließlich aus dem Gesprochenen. Zusätzlich beeinflussen nonverbale Teile, wie z.B. die Gestik, die Mimik, die Tonlage und die Lautstärke die Verständigung ebenfalls in starkem Maße.
Schwieriger wird es wenn nicht nur offene, sondern auch versteckte Botschaften (Appelle) in einer Aussage vorhanden sind.
Dabei kann es sein dass, diese impliziten oder expliziten Botschaften inkongruent sind (voneinander abweichend).
Um die Kommunizierenden besser zu verstehen, wurden sogenannte Wert- und Entwicklungsquadrate entworfen. Darin werden Eigenschaften sowohl positiv als auch negativ aufgeführt und eine mögliche Entwicklung dargestellt
Jeder Mensch hat eine bestimmte Art und Weise entwickelt, um mit anderen in Kontakt zu treten. Diese kann man in verschiedene Kommunikations- und Interaktionsstile teilen.
Interpretation
Analyse einer Aussage (von Lena, 21):
„Wo warst du denn, warum gehst du nicht an dein Handy ran!?!“
(zynisch, provozierender Tonfall, vorwurfsvoller, verzogene Mimik)
Zum einen lassen sich die feststehenden Fakten herausfiltern:
Lena weiß nicht, wo sich ihre Freundin befindet und diese geht nicht an ihr Handy ran.
Aus dem vorwurfsvollen Tonfall lässt sich schließen, dass sie dies aufregt. Da Lena ihre Botschaft in Form einer Frage stellt, möchte sie auch eine Antwort bekommen. Der Appell ist also: „Sag mir wo du warst!“. Durch den vorwurfsvollen Tonfall verrät sie, dass sie eine Erklärung oder eine Entschuldigung erwartet. Dies ist also neben dem offenen Appell ein versteckter Appell.
Sachinhalt:
Ich weiß nicht wo du warst.
Du bist nicht an dein Handy gegangen.
Selbstkundgabe:
Ich habe mich geärgert,dass du nicht an dein(wenn ich dich anrufe)
Handy gegangen bist.
Appell:
Gehe an dein Handy! Gib mir eine Erklärung! Rechtfertige dich! Sei erreichbar!
Ich erwarte eine Antwort/ Erklärung.
Beziehungsebene:
Wenn ich dich anrufe erwarte ich, dass du ran gehst.
Ich erwarte von dir, dass du für mich jeder Zeit erreichbar zu sein hast.
All diese verschiedenen Botschaften lassen sich aus dieser einzelnen Aussage feststellen. Jedoch könnte man diese Nachricht noch genauer erläutern, wenn man dabei auch andere Begebenheiten (die konkreten subjektiven Umstände) beachtet und nicht nur die einzelne Aussage, sondern den Satz im Kontext einer bestimmten Situation unter die Lupe nimmt. Deshalb erwähne ich die Umstände, unter welcher der Satz geäußert wurde, jetzt etwas genauer.
Darstellung des Beispiels
Im Folgenden möchte ich nun an einem realen Alltagsbeispiel erklären, was es mit der Kommunikation auf sich hat.
Die Geschichte ist gerade erst vor kurzer Zeit geschehen und mir daher noch gut in Erinnerung.
Ich habe zwei Freundinnen namens Lena und Theresa, die zur Zeit studieren und mit mir oft ihre Freizeit verbringen.
Vor Kurzem mussten sie eine Hausarbeit schreiben und entschlossen sich dazu, diese gemeinsam zu erledigen.
Von Lena hörte ich oft, dass sie sich über Theresa beschwerte, da sie oft Treffen vereinbarten und es jedoch nie zu diesen kam, weil Theresa immer absagte. Lena war schon leicht genervt von den ständigen Terminverschiebungen, erzählte Theresa aber nichts davon, sondern nur mir. Lena, die schon des öfteren Hausarbeiten geschrieben hatte, teilte ein, wer von ihnen welchen Thementeil bearbeiten sollte. Schließlich kam es dann zu dem Treffen, bei dem jeder dem Anderen seine erarbeiten Themen präsentieren sollte. Theresa hatte ihren Teil erledigt und zeigte ihn. Sie bat aber Lena darum, sich ihren Teil nochmals durchzulesen und zu verbessern, falls irgendetwas nicht richtig sein sollte (und diesen dann per E-mail zurückschicken). Soweit war alles bearbeitet, bis auf das eine Bild, welches noch nicht eingescannt war, was Theresas Aufgabe gewesen wäre. Sie konnte nicht scannen und ihr Vater, der dies für sie machen sollte, hatte keine Zeit gehabt, es zu erledigen.
Nach dem Treffen setzte sich Lena noch einmal an den Computer und las ihren fertig geschriebenen Teil der Hausarbeit durch und korrigierte einzelne Fehler. Theresas Teil las sie allerdings nicht mehr, da sie dies nicht einsah.
„Ist doch ihr Teil der Hausarbeit!“ dachte sich Lena und empfand es sogar als Frechheit, einen anderen dafür zu beauftragen, die Arbeit von sich mit zu erledigen - schließlich war ja ausgemacht, dass jeder seinen eigenen Teil bearbeitete.
Also schickte sie Theresas Teil der Hausarbeit zurück, ohne ihn genau gelesen zu haben, geschweige denn ein Wort verändert zu haben.
In den kommenden Tagen waren auch die letzten Feinheiten der Hausarbeit erledigt und sie wurde abgegeben.
Lena war etwas enttäuscht über Theresa, die nach ihrer Auffassung wegen der ständigen Terminverschiebungen nicht zuverlässig war.
Ein paar Tage später sollten sich die beiden wieder in der Uni treffen, da sie am gleichen Seminar teilnahmen. In diesem Seminar waren die beiden mit zwei anderen Studenten für ein Referat eingeteilt. Lena fiel eine halbe Stunde vor Seminarbeginn ein, dass alle vier noch in das Büro des zuständigen Professors gehen könnten, um Fragen für das Referat zu klären.
Lena rief ihre drei Mitreferenten an und sagte ihnen, dass sie sich im Büro treffen. Im Büro warteten dann auch die zwei anderen Kommilitonen. Nur Theresa nicht, da Lena sie nicht kurzfristig erreichen konnte.
Direkt nach dem Bürobesuch gingen die drei in das Seminar, wo auch Theresa saß.
Lena sagte in einem zynischen und provozierenden Tonfall mit verzogener, vorwurfsvoller Mimik: „Wo warst du denn, warum gehst du nicht an dein Handy ran!?!“
Theresa war geschockt über Lenas Reaktion: „Also Entschuldigung, das hab ich halt nicht gesehen!“ sagte sie ironisch, aufbrausend und schnippisch.
Das waren die letzten Worte die sie an diesem Tag gewechselt hatten. Sie saßen in Seminar zwar nebeneinander, aber wechselten kein Wort mehr.
Einen Tag später telefonierte ich mit Lena, die mir erzählte, dass sie Streit hätten und schilderte mir die Situation.
Dies verwunderte mich etwas, da ich diesen Vorfall nicht wirklich als schlimm empfand.
Lena war nun mehrere Tage sauer auf. Theresa sagte dann zu Lena, dass sie mal miteinander reden müssten.
Beim Treffen waren beide erleichtert, sich aussprechen zu können. Vor allem Lena lag es auf dem Herzen und fing sofort an zu erzählen. „Was war denn los am Freitag?“ „Wie, was soll, los gewesen sein? Du hast mich total runtergeputzt und dann war ich halt sauer!“, sagte Theresa.
Lena erzählte, dass sie nicht verstehen konnte wieso Theresa sauer sein konnte, schließlich hatte sie einen Grund um sauer zu sein: „Du warst doch nicht da! Wie so oft in letzter Zeit. Du bist echt unzuverlässig wenn’s um so was geht. Erst die Treffen die du immer verschoben hast und dann kommst du noch nicht mal mit zur Vorbesprechung. Sag mir doch einfach wenn du keine Zeit hast was zu machen, aber mach nicht immer mit mir ein Treffen aus und sag es dann ab, da komm ich mir dann echt verarscht vor.“
Theresa erzählte, dass sie wirklich keine Zeit gehabt hätte und dass sie es auch oft erwähnt habe, nur Lena immer darauf bestand, die Hausarbeit so früh wie möglich hinter sich zu bekommen. „Du bist ja sonst verständnisvoll, aber wenn’s um so was geht, willst du dein Ding durchziehen, so früh wie möglich abzugeben und drängst mich dazu, mich mit dir zu treffen. Ich sag dir zu und merk dann, dass es doch zu eng mit der Zeit wird und sag dir ab“, erklärte Theresa.
Lena sah es ein, dass sie bei diesen Themen ein Dickkopf war.
„Aber trotzdem, dann sag halt, dass es echt nicht geht und mach keine Versprechungen die du nicht halten kannst.“, schrieb Lena ihr vor.
Theresa versuchte auch ihre Perspektive verständlich zu machen und berichtete, dass sie es außerdem außerordentlich dreist von Lena fand, ihr vorzuschreiben welche Aufgaben sie bis zu einem bestimmten Termin erledigt haben müsse. Aber selbst hatte Lena noch nicht mal ihre eigenen Aufgaben rechtzeitig erledigt . (Sie sollte ja ein Bild scannen und hat es nicht geschafft.) Zusätzlich war Lena aber sauer, weil Theresa Lena um ihre Hilfe bat und Lena nichts korrigierte und Theresas Teil der Hausarbeit unverändert zurückschickte.
Lena erklärte, dass sie die Termine einteilte, weil sie sich als erfahrener empfand und nur das Beste für die Hausarbeit herausholen wollte.
Die Freundinnen hörten sich jeweils die Meinungen des Gegenübers an. Lena und Theresa waren sehr überrascht, da sie das Ereignis immer nur aus ihrer eigenen Sichtweise gesehen hatten. Keiner hatte gedacht, dass der andere auch verletzt oder gekränkt sein könnte.
Beide waren sehr einsichtig und der Streit war vergessen.
Ich, als Außenstehende, muss sagen, dass es sich um keine gerade außergewöhnlich schlimme Situation handelt, diese sich aber im Laufe der Tage hochgeschaukelt hat. Jeder von den beiden hat sich von Zeit zur Zeit etwas über den anderen geärgert. Aber beide haben nie etwas dem anderen erzählt, sondern immer nur den Ärger „in sich hineingefressen“. „Ist ja jetzt nicht so schlimm, dass man es ansprechen müsste“, dachten sich wohl beide und merkten sich jedoch, dass der andere sich nicht so verhält, wie man sich es gewünscht hätte.
Hätten sich Lena und Theresa jedoch gleich zu Beginn geäußert und darüber geredet, was sie am anderen gestört hat, wäre die Situation nicht so stark eskaliert. Beide haben ihren Ärger unterdrückt. Das unbeantwortete Telefonat brachte „das Fass zum überlaufen“, obwohl die momentane Situation (nämlich das Theresa nicht an das Telefon gegangen ist) nicht der ausschlaggebende Punkt war.
Vertiefung
Nun Analysiere ich die Aussage nochmals:
„Wo warst du denn, warum gehst du nicht an dein Handy ran!?!“
Zu den schon oben erkannten Seiten lässt sich nun etwas mehr sagen:
Natürlich will Lena, dass ihre Freundin an ihr Handy geht, vielmehr geht es ihr aber darum, dass sie für ihre Kommilitonin da sein sollte. Lenas Problem ist weniger das nicht stattgefundene Telefonat, sondern die ganze vorangegangene Zeit, durch die sie sich vernachlässigt fühlt. Sie fühlt sich, durch die Terminverschiebungen und den ganzen Stress mit der Hausarbeit, persönlich angegriffen. Lena ist der Ansicht im Stich gelassen zu werden. Dies ist die versteckte Botschaft. Sie möchte damit eigentlich Ausdrücken, dass sie sich wieder allein gelassen fühlt, wie schon die ganze Zeit zuvor. Lena zeigt damit eigentlich, dass sie Hilfe und Unterstützung von Theresa haben möchte.
So lässt sich die tiefere Bedeutung der (versteckten) Aussage festhalten:
Selbstkundgabe:
Ich brauche dich! Lass mich nicht im Stich!
Appell:
Sei für mich da! Unterstütze mich! Hilf mir!
Beziehungsebene:
Ich möchte, dass du für mich da bist.
Ich fühle mich von dir vernachlässigt.
Ich brauche deine Nähe
Ein Missverständnis in der Kommunikation der Geschichte liegt darin, dass Theresa die von Lena versteckten Appelle nicht wahrnimmt oder zumindest anders auffasst. Theresa nimmt eher das auf, was sie vorgeschrieben bekommt und was sie wann zu machen hat. Sie fühlt sich herumkommandiert und unter Lena gestellt. Dies ist demütigend und erniedrigend für sie.
Theresa fühlt sich angegriffen von ihrer Freundin. Theresa empfindet die Reaktion als total übertrieben, sie so „anzufahren“ nur weil sie nicht auf ihr Handy gesehen hatten. Also kann man daraus erkennen, dass sie nicht nachvollziehen kann, was ihre Freundin so aufregt. Dies teilt in ihrer Nachricht mit, dass sie dieses Geschehnis selbst als nicht so schlimm empfindet. Deshalb antwortet sie etwas überrascht und versucht sich zu verteidigen. Jedoch sollte dies keines falls entschuldigend sein. Sie hat die Absicht sich lediglich zu rechtfertigen und die, ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Angriffe, von sich zurückzuweisen.
Diese Aussage ist ein gutes Beispiel für die Inkongruenz. Hier weicht das Gesprochene eindeutig von den nonverbalen Äußerungen ab. Der Tonfall und auch die Gestik und Mimik sagen aus, dass die gesprochene „Entschuldigung“ nicht so gemeint, sondern ironisch zu verstehen ist. Außerdem lässt sich an der aufbrausenden Antwort erkennen, dass sie es keinesfalls in Ordnung findet wie Lena mit ihr redet. -sonst würde sie sich selbst ja nicht so aufregen.
Auf Grund dessen, dass sie selbst gerne von dem Treffen gewusst oder sogar teilgenommen hätte, ärgert sie sich selbst darüber, nicht den Anruf bemerkt zu haben. Durch den zusätzlichen gespürten Angriff ihrer Kameradin nimmt sie eine sich selbst in Schutz gewährleistende Gegenhaltung ein und gibt ihr eigenes Bedauern nicht preis. Theresa ist enttäuscht dass ihre eigene Freundin nicht wahrnimmt, dass sie das selbst stört, und trotzdem auf ihr „herumhackt“. Sie empfindet, dass Lena nur an sich selbst denkt und sich nicht vorstellen kann wie Theresa sich gerade fühlt.
„Also Entschuldigung, das hab ich halt nicht gesehen!“
Gemeint war also:
Sachseite:
Ich hab nicht auf das Handy gesehen.
Selbstkundgabe:
Ich finde das nicht schlimm. Mir gefällt die Art nicht, wie ich behandelt werde.Ich finde diese Reaktion übertrieben.
Appell:
Reagier dich ab! Hör auf so mit mir zu sprechen!
Das kann doch jedem passieren.
Greife mich nicht an!
Beziehungsebene:
Ich mag es nicht wie du mit mir redest.
Ich fühle mich erniedrigt und abgewertet,
weil du so herablassend mit mir redest.
Lena wird aufgrund dieser Äußerung nur noch wütender, weil sie sicherlich nur die Selbstkundgabe von Theresa aufnimmt. Da sie glaubt, dass es für Theresa nicht schlimm ist, verstärkt es sie in dem Gefühl allein gelassen zu sein. Außerdem ist zu sagen, dass es noch einen Hinweis dafür gibt, dass Lena diese Aussage mit dem Ohr der personalen Diagnostik (Selbstkundgabe) erfasst. Würde Lena die Beziehungsseite oder den versteckten Appell, den Theresa zu verschicken versuchte auffassen, würde sie wohl erklären, warum sie dies so tut und ihre unterdrückten Aggressionen freien Lauf lassen.
Aufgenommen wurde:
Sachseite:
Sie ging nicht an ihr Handy.
Selbstkundgabe:
Sie findet es nicht schlimm.
Es interessiert sie nicht, ist ihr egal.
Appell:
Ich soll wieder alles alleine machen.
Beziehungsebene:
Ich soll immer alles für sie mit erledigen.
Ich kümmere mich um sie aber sie, ist nur genervt.
Dadurch wird die angespannte Situation jedoch nicht behoben. So fühlen sich beide unverstanden und wütend und sprechen nicht mehr miteinander. Da sich beide im Recht fühlen und sich keiner einen Fehler eingestehen will, oder besser gesagt, gar nicht daran denkt, dass er selbst etwas nicht richtig gemacht hat, geht auch vorerst keiner auf den anderen zu.
Kommunikationsstile:
Aus den Aussagen und Handlungen von Lena schließe ich, dass sie zum Teil einen bestimmenden- kontrollierenden Stil besitzt.
Dies kann man daran erkennen, dass sie versucht vieles zu lenken und zu korrigieren und demnach auch alles unter Kontrolle haben möchte. Bei der Hausarbeit, bei der sie die Aufgaben verteilt, lässt sich dies gut beobachten. Sie hat großen Eifer und Nachdruck und will unbedingt ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen. Dies lässt sich auch daraus ableiten, dass ihre Partnerin weiß, was für ein „Typ“ von Mensch Lena ist, ihr entgegen kommt und ihr Papiere zum Korrigieren gibt.
Wenn der bestimmende - kontrollierende Stil seinen Willen nicht durchsetzen kann, wird er nervös, was zu Angst führen (innerlich) und sich sogar zu Zorn (äußerlich) entwickeln kann. Dies erklärt unter anderem den Ausbruch nach dem nicht erreichen am Handy.
An Lena lässt sich auch ebenfalls das Merkmal erkennen, dass diese Menschen ausgefeilte Planung, Organisation, Sicherheit und Berechenbarkeit suchen und durchsetzen wollen. Dies ist an dem dringenden Wunsch der Terminplanung von Lena zu entdecken. Auch die Gefahr der Abwehrreaktion der Kommunikationspartner ist in diesem Beispiel gut feststellbar. Daraus kann auch ein Teufelskreislauf entstehen. Da der Mensch davon abhängig ist, steigert sich dies immer weiter. Durch die Straffung, die der bestimmende- kontrollierende Stil vornimmt, erhöht sich auch das Gefühl von Unverständnis, Missachtung und Genervtheit. Ebenfalls ist bei diesem Persönlichkeitsstil beschrieben, dass durch unterdrückte Gefühle eine Art Pulverfass entstehen kann. Deshalb sollte man besonders aufpassen, dass dies nicht irgendwann explodiert. Dies lässt sich auch mit dem Moment vergleichen, in dem Lena ihre Freundin anfaucht, weil sie am Handy nicht erreichbar war. Sie hat zuvor ihre Gefühle unterdrückt bis es schließlich zur Eskalation kam.
Im Allgemeinen ist noch erwähnenswert, dass Personen, bei denen der Stil besonders stark ausgeprägt ist, oft Ängste vor Überraschungen, spontanen Veränderungen, Chaos und Kontrollverlust besitzen. Anders wie bei anderen Stilen gibt es diesen sowohl bei Männern als auch Frauen gleichermaßen. Sie sind oft zwanghaft und pedantisch. Regelmäßigkeit, Rituale, Prinzipien und starre Normen werden bevorzugt. Das Ziel ist es dabei nicht herabzusetzen, sondern vielmehr zu ändern, formen und kontrollieren. Aussagen werden nicht in direkte Appelle (persönlich) sondern in Regeln (normativ) ausgedrückt. Ihre Persönlichkeit beinhaltet oft Bestimmtheit, Verlässlichkeit und Führungsqualität. Diesem Stil sagt man nach, dass er den Ursprung in Bestrafung und zu strenge Regeln in der Kindheit hat und in der Jugend Abgrenzung benötigt.
Diese beschriebene Personengruppe sollte, genau wie Lena, versuchen, von einer evtl. schon negativen Eigenschaft, die sich aus der Kontrolle entwickelt, wider zu einer positiven Eigenschaft umzuwandeln, die jedoch das Gegenteil von Kontrolle beinhaltet. Zwischen den beiden positiven Merkmalen sollten sie ein Mittelmaß finden und dies auch einhalten.
Das heißt von der Überkontrolliertheit zur Offenheit über zu gehen. Eine Bekennung der eigenen Gefühle (und Aussprache dieser), Bedürfnissen und Fehler ist dabei hilfreich.
In der folgenden Grafik stehen die positiven gegenteiligen Eigenschaften oben. Darunter die negativen, welche sich aus der extremen einseitigen Richtung entwickeln.
Die Personengruppe, die zu diesem Stil gehört (wie Lena), befindet sich unten links und sollte sich in Richtung oben rechts bewegen.
Engagement Offenheit
Kontrolliertheit
gegen
Überkontrolliertheit Gleichgültigkeit pedantische Zwanghaftigkeit
uninteressierte Teilnahmslosigkeit
Natürlich kann und sollte man eine Person nicht ausschließlich zu einem einzigen Kommunikationsstil zuordnen, da sich immer mehrere Stile in einer Person vermischen.
Im Grunde genommen befindet sich jeder Stil in einer Person manchmal stärker und manchmal schwächer ausgeprägt. Dieser ändern sich auch, da die innere Fassung (Gefühle, Stimmungen, Bedürfnisse und Absichten) sich damit verbindet.
Das dies auch bei Lena der Fall ist, lässt sich aus ihrer Reaktion schließen, da sie die Hausarbeit ihrer Freundin nicht korrigiert - im Gegenteil: Sie regt sich über diesen Appell sogar auf. Bei dem bestimmend-kontrollierenden Stil wäre dies jedoch ein Wunsch gewesen.
Lena hat auch noch einige Züge des helfenden Stils in sich. Man kann erkennen, dass sie mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte und sich um Theresa kümmert. Diese Menschen sorgen sich auch besonders um ihre Mitmenschen, um von der Angst der eigenen Schwäche fern zu halten. Dies beziehe ich auch darauf, dass Lena selbst Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Hausarbeit hat und trotzdem versucht, die Organisation in die Hand zu nehmen, da sie denkt sie könne es besser und ihrer Freundin müsse dabei geholfen werden (z.B. bei der Einteilung in die Themenbereiche).
Bei Theresa lässt sich der selbstlose Kommunikationsstil heraushören. Sie erkannte Wünsche und Nöte und unterwirft sich dieser, wie es für diese Gruppe typisch ist. Dies erkennt man daran, dass sie merkt, dass Lena sich nach Kontrollieren und Korrigieren sehnt, was sich aus der bestimmenden Art bei der Hausarbeitsvorbereitung zeigt. Deshalb passt sie sich an und gibt ihre Arbeiten weiter zum Nachlesen. Es ist ebenfalls üblich, dass diese ihre Schwächen besonders hervorheben, was eine Erklärung für die Haltung von Lena sein könnte. Es kann sein, dass sich aus Lenas Einstellung ihre wiederrum verstärkt oder genau umgekehrt.
Diese Kreisläufe lassen sich bei solchen Partnern oft finden. Die Grundpose, aus Angst eine Art Konfrontation zu vermeiden, indem man Meinung und Probleme nicht offenbart, ist in diesem Beispiel ebenfalls auffällig, was die Hinwiese auf diesen Stil bestätigen.
Außerdem erkenne ich teilweise noch den sich distanzierenden Stil. Denn dieser macht unter anderem den Eindruck wenig berührbar zu sein. Dies hat Lena wohl aus ihrer letzten Aussage entnommen (was aber gar nicht der Fall war).
Auch der bedürftig-abhängige Stil lässt sich erahnen, was bei dem Partner hervorgerufene Pflegeinstinkt erklären würde, da dieser Stil sich selbst als hilflos und überfordert darstellt, ergibt sich daraus das Gefühl für Lena einspringen, entscheiden und verantworten zu müssen.
Wertende Stellungnahme
Meiner Meinung nach bringt Kommunikationspsychologie einige Vorteile mit sich. Man kann sich selbst dadurch besser verstehen lernen. Ebenfalls lernt man sich in Mitmenschen hinein zu versetzten und zu verstehen, was diese durch Worte, Gestiken, und Mimiken Aussagen fühlen oder bezwecken möchten. So kann man mehr über sie erfahren, ihre Absicht besser verstehen und sogar etwas über die Beziehung oder die Verbindung der Gesprächsteilnehmer herausfinden. Dies fördert sowohl das Miteinander, als auch die Selbstidentifikation. (Dies bedeutet, dass man mehr über sich selbst herausfinden kann, etwas neues über sich lernen kann.)
Ein Problem in der Kommunikationspsychologie ist jedoch, dass man das erworbenen Wissen (über den Gesprächspartner) ausnutzen oder gegen ihn verwenden könnte. Dadurch könnten Mitmenschen manipuliert und wie Marionetten gespielt werden, indem sie zu einer gewünschten Reaktion gebracht werden. Der Gesprächspartner könnte hilflos ausgesetzt sein oder würde es noch nicht einmal bemerken. Dies wäre sehr bedauernswerte, denn das ist nicht der Sinn und Zweck der Kommunikationspsychologie. Sinn der Kommunikationspsychologie ist das Miteinander zu fördern und nicht die Gesprächspartner auszuhören und auszunutzen.
Zuerst möchte ich näher darauf eingehen, warum ich gerade dieses Beispiel gewählt habe.
Zum einen war es mir wichtig, ein relativ realitätsnahes Beispiel in meine Hausarbeit einzubringen. Eine Situation, die jeder kennt und auf den ersten Blick recht belanglos und alltäglich wirkt. Eben wie ein Streit unter Freunden. Am Anfang dachte ich erst, dass dieses zu banal sei, doch als ich mich längere Zeit damit beschäftigte bemerkte ich, wie viele Punkte dieses Geschehnis eigentlich beinhaltet. Gerade weil hinter dem anschaulich so nebensächlichen Problem sich vieles verbarg. Ich denke auch, dass man an diesem Beispiel besonders gut erkennen kann, wie vielseitig die Kommunikation ist. Zum einen, welche unterschiedlichen Stile, aber auch Auffassungen es gibt. Daran wird deutlich, wie zwei Personen aus einem und dem selben Satz ganz unterschiedliche Dinge verstehen und hineininterpretieren. Außerdem wird daraus ersichtlich, wie leicht man aneinander vorbei reden kann. Zwar sprechen Beide die gleiche Sprache, doch verstehen den Anderen trotzdem nicht wirklich. Es wird hier klar, dass eine missglückte Kommunikation jeder Zeit passieren kann und wir es vielleicht noch nicht einmal bemerken, da wir oft nicht darüber reden. Damit meine ich speziell das Reden über das Reden (Metakommunikation). Das schöne, aber zugleich schlimme an diesem Beispiel ist meiner Meinung nach, dass man merkt, dass dies alles passieren kann, weil man nicht klar mit einander redet. Es ist nämlich sehr schade, dass dies entstehen kann, weil sie sich nicht dem anderen mitteilten und sagen, was sie fühlen, denken und empfinden. Hätten sie dies eindeutig zu Beginn formuliert und nicht nur unterschwellig angedeutet, hätte sich der Streit auch nicht so stark entwickelt. Gleichzeitig finde ich aber genau diese Erkenntnis, als eine sehr wichtige, wertvolle und bereichernde Erfahrung. So lässt sich nun auch die sogenannte „Moral der Geschichte“ erkennen. Es zeigt uns, damit wir uns nicht missverstehen, sollen wir offen und ehrlich über alles reden und gleich unserem Gegenüber sagen, was uns auf dem Herzen liegt. Auch eine Enttäuschung die in der Vergangenheit liegt, sollte angesprochen werden, da sie das Miteinander stark beeinflusst. Gerade das darüber reden kann uns helfen, damit wir uns in den Anderen besser hinein fühlen können, seine (subjektive) Perspektive zu verstehen und einen möglichen unnötigen Streit vorbeugen. Man sollte darauf achten seine Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sich auszusprechen und das äußern, was einem auf der Seele liegt, auch wenn es manchmal peinlich werden könnte, weil es so persönlich ist. Das Aussprechen ist ebenfalls sehr hilfreich, auch wenn man eine Situation nicht als wirklich schlimm empfindet, denn insgeheim bedrückt es uns doch, was sehr deutlich an dem Beispiel von Lena und Theresa zu sehen ist.
Außerdem finde ich es toll, wie man an diesem Fall erkennen kann, dass die Kommunikation kreisförmig ist. Die Freundinnen würden für diesen entstandenen Streit ganz unterschiedliche Anfangspunkte feststellen. Theresa würde diesen vielleicht in der vorwerfenden Beschuldigung, warum sie nicht an ihr Handy gehe, sehen. Oder schon bei dem, während der Treffen für das Referat, aufkommendem Gefühl der Bevormundung. Lena sieht den Beginn aber möglicherweise eher noch vor den Treffen, als die geplanten Termine abgesagt wurden.
Allgemein ist diese Geschichte, wie so viele andere auch, aufgrund mangelnder Kommunikation entstanden. Die beiden redeten zwar miteinander, jedoch nicht auf der selben Wellenlänge (und hörten mit unterschiedlichen Ohren). Sie hielten zurück was sie wirklich gestört hatte. Durch die unterdrückten Emotionen und die nicht richtig ausgesprochenen Ärgernisse verschlimmerte sich die Situation zunehmend. Diese zurückgehaltenen Gefühle wurden in einem Moment frei der eigentlich für Außenstehende recht harmlos erscheint. Durch die unterschwellig angedeuteten Botschaften entstand eine missglückte Kommunikation. Diese wurden anders aufgenommen als der Sender es gedacht hatte. Man kann aus kommunikationspsychologischer Sicht sagen, dass die Personen die Nachricht mit unterschiedlichen Ohren gehört und empfangen haben. Keiner von den Beiden, hat vorerst versucht, sich in die Situation des Anderen hinein zu versetzen und nachzuvollziehen. Niemand hat anfangs wirklich versucht zu verstehen was der Andere empfindet oder Aussagen möchte. Jeder fühlte sich sozusagen als ein bloß reagierendes Opfer eines „bösen“ Täters. Erst im Nachhinein bei dem Treffen indem die Metakommunikation stattfand, wurde die Ansicht des Anderen ersichtlich und nachvollziehbar.
Abschließend möchte ich sagen, dass dieses Ereignis stellvertretend für viele andere Situationen steht, bei denen man sich bemühen sollte eine Situation auch aus der Perspektive des anderen Gesprächspartners zu sehen.
Quellenverzeichnis
Erklärung:
Hiermit erkläre ich, dass ich die Hausarbeit eigenständig und ohne fremde Hilfe angefertigt habe.