„Der alte Caíron kehrte übrigens nie wieder in den Elfenbeinturm zurück. Aber er starb auch nicht und blieb auch nicht bei den Grünhäuten im Gräsernen Meer. Sein Schicksal sollte ihn einen ganz anderen, höchst unvermuteten Weg führen. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.“

I.
Das Nichts


Caíron verließ das Dorf und ging seiner Wege. Er machte sich Sorgen, dass Atréju es nicht rechtzeitig schaffen könnte, doch seine Sorge war unbegründet.
Caíron freute sich seines Lebens und begann, sich endlich keine Sorgen mehr um den Erfolg oder Misserfolg Atréjus zu machen. Er verließ das Dorf, in dem Atréju lange Zeit wohnte, in der Hoffnung, Ruhe zu finden. Er war für einen Zentauren schon sehr alt und einer der letzten lebenden Zentauren in Phantasien. Das sah man ihm an, denn er war von seinem Alter gezeichnet. Tiefe Falten und schlaffe Haut gestalteten sein Gesicht. Doch Caíron ließ sich nicht davon abhalten, ein unbeschwertes Leben zu führen.


Bastian dachte über den letzten Satz nach. „Ja genau!“, dachte er schließlich, „Man sollte sein Leben genießen und immer tolle Sachen machen.“

Eines Tages ging er an einen Fluss, um sich nach langer Zeit das erste Mal wieder zu baden. Da er einer der letzten Zentauren in Phantásien war, hatte er viele Aufgaben zu bewältigen und wenn er Pech hatte, hatte er so viel zu tun, dass er tagelang nicht schlafen konnte. Als er dann so dastand und sich im spiegelnden Wasser betrachtete, fühlte er auf einmal die Anwesenheit eines anderen Geschöpfes. Normalerweise trauten sich an Caíron nur sehr wenige Wesen heran, doch dieses Wesen war schon sehr nahe. Fast schon zu nahe, denn Caíron merkte, wie er unruhig wurde. Als er aufblickte, sah er nur leichte Schemen, die sehr nach einem Pferd oder etwas Ähnlichem aussahen. Da er eine vertraute Gestalt sah, wurde er etwas ruhiger. Der Fluss ließ einen undurchdringlichen Nebel aufsteigen, sodass Caíron die Umrisse nicht so genau erkennen konnte. Das Wesen hatte etwas Besonderes, etwas, was Caíron nicht allzu oft sah. Es hatte sehr weibliche Züge. Caíron dachte erst, dass es ein anderes Pferd war. Aber als die Gestalt näher kam, sah er, dass es ein Zentaur war. Ein weiblicher Zentaur!
Caíron bemerkte gleich, dass sie der Zentaur war, mit dem er sein restliches Leben verbringen wollte. Sie liebten sich und genossen miteinander die gemeinsame Zeit. Caíron hatte die besten Stunden seines Lebens. Doch das Schicksal wollte es anders mit den beiden.


Bastian wunderte sich, dass die Geschichte so weiterging. Er wollte nicht, dass den beiden etwas Schlimmes zustieß.

Ganz Phantasien war mit dem Nichts befallen und es verschonte auch nicht den Teil Phantasiens, in dem Caíron und seine liebe Frau Inwé lebten.
Das Nichts war etwas, das man nicht beschreiben konnte. Wenn man hineinschaute, sah man nichts. Nicht schwarz oder weiß, nein man hatte ein beklemmendes Gefühl der Leere.
Caíron war auf der Jagd, als er die Hilfeschreie seiner Frau hörte. Er galoppierte so schnell er konnte zu ihrer Höhle zurück, doch da war Inwé nicht mehr. Sie stand am Rande des Nichts und versuchte gegen den Drang, in das Nichts zu springen, anzukämpfen, aber es half nichts. Sie hielt dem Druck nicht mehr stand und sprang in das Nichts. Sie tat es vor den Augen des Zentauren, der sie liebte. „NEIN!“, wollte der Zentaur schreien, aber er bekam kein Wort heraus.
Rings um Caíron hatte das Nichts schon einen Ring gezogen, sodass er nicht mehr fort konnte. Es gab nur noch einen schmalen Weg, der aus dem Gefängnis hinausführte. Caíron wollte sich schon auf den Weg durch das letzte Schlupfloch machen, aber er zögerte. Als Fluchttier müsste er eigentlich reflexartig davonrennen, aber dieser Reflex setzte jetzt bei ihm aus. Er wollte nicht ohne Inwé leben. Deshalb beschloss er hinter ihr herzuspringen, auch wenn er wusste, dass er dann nie wieder nach Phantasien zurückkommen würde. Also sprang er hinter Inwé her in das Nichts und machte sich auf das Schrecklichste gefasst.


II.
Der Raum des Schicksals


Der Zentaur hatte erwartet, dass ihn das Nichts töten oder, was noch schlimmer wäre, auseinander reißen würde. Doch nichts davon geschah. Er sah auch nicht, wo seine Frau geblieben war, denn es war so, als hätte jemand das Licht gestohlen. Caíron hatte keine Ahnung, was passieren würde und er konnte sich auch nicht orientieren, daher wehrte er sich auch nicht, während er fiel.
Irgendwann, er konnte sich nicht erinnern wie lange er schon gefallen war, sah er ein schwaches Licht am Boden. Das Licht kam rasend schnell näher und Caíron bekam es mit der Angst zu tun. Er wollte nicht auf den Boden aufschlagen, doch der Grund kam immer näher und das mit hoher Geschwindigkeit. Als er knapp über dem Boden war, machte er die Augen zu und betete, dass es nicht weh tun möge.
Kurz darauf hatte er das Gefühl, dass er nicht mehr fiel, er machte die Augen auf und sah, dass er in einem Raum lag, der hell erleuchtet war. Der Zentaur stand auf und versuchte sich zu orientieren. Schnell hatte er die Fassung wiedererlangt, doch von Inwé war keine Spur zu sehen. Er rief ihren Namen, aber niemand meldete sich. Er lief tiefer in den Raum hinein. Doch je mehr er in den Raum kam, desto unbehaglicher wurde ihm. Er versuchte davon abzulenken, indem er an seine Frau dachte, aber die Unbehaglichkeit konnte er nicht ganz überspielen.
Er kam an die andere Seite des Raumes und sah zwei Tore. Eines der beiden war hoch, breit, monströs und prunkvoll. Es hatte Goldbeschläge und war poliert. Es sah wunderschön aus. Das andere hingegen war klein, niedrig und sah gar nicht nach einem einladenden Tor aus.
Als er so dastand und die beiden Tore betrachtete, musste er darüber nachdenken, wie es nun weiterging. Sollte er versuchen zurückzukommen nach Phantasien oder durch eines der beiden Tore gehen, um Inwé zu suchen. Er beschloss Inwé zu suchen und durch eines der Tore zu gehen. Er wollte sich gerade überlegen, welches wohl das richtige wäre, als sich eine Stimme meldete: „Willkommen im Raum des Schicksals!“.
„Wer hat das gesagt?“, frage Caíron vorsichtig.
„Ich bin dein Schicksal, Caíron.“, sagte die Stimme. Der Zentaur runzelte die Stirn.
„Was sind das für Türen?“.
„Das sind deine Schicksale. Du kannst nun entscheiden, welches Schicksal du einschlagen willst. Überlege gut! Wann wird einem schon mal die Wahl zwischen zwei Schicksalen geboten!“.
„Und welches soll ich nun nehmen? Welches Schicksal verbirgt sich hinter welchem Tor?“.
„Das musst du schon selbst herausfinden. Das eine Tor gibt dir eine unbekannte Aufgabe, die nicht leicht sein wird, und das andere dein Schicksal als Lüge in der Menschenwelt.“
„Das ist eine wirklich schwere Entscheidung! Kann ich denn meine geliebte Frau Inwé dann wiedersehen?“.
„Das ist davon abhängig, wie du dich nun entscheidest!“.
Caíron überlegte sehr sorgfältig und kam nach einiger Zeit zu dem Schluss, dass er auf keinen Fall als Lüge weiterleben will. Er wollte die unbekannte Aufgabe annehmen und versuchen sie zu lösen, wie schwer sie auch sein mag. Die Liebe zu seiner Frau würde ihm die Kraft dazu geben, da war er sicher. Jetzt musste er nur noch das richtige Tor finden.
Am einfachsten war es, durch das linke, goldene Tor zu gehen. Der Zentaur wollte sich gerade auf den Weg machen, als er stutze. Er wusste nicht warum er stehen blieb, aber als er da so stand, schaute er das zweite Tor an. Er bekam plötzlich das Gefühl, dass seine erste Entscheidung, das linke Tor zu nehmen, falsch sei. Vielleicht war es ja eine Eingebung seiner Angebeteten. Er beschloss, seine erste Entscheidung rückgängig zu machen und durch das rechte kleinere Tor zu gehen. Er hoffte nur, dass dies kein Fehler war.
Er kam in einen neuen Raum. Dieser Raum war unvorstellbar hoch und lang. Er hatte an beiden Seiten eine lange Reihe von Marmorsäulen. Sie waren alle perfekt in einer Reihe aufgestellt und verliefen, so sah es zumindest für den Zentauren aus, alle zu einem Punkt. Caíron lief auf diesem Punkt zu, aber er konnte ihn nicht richtig erkennen. Dann, als er näher gekommen war, sah er, was es wirklich war. Es war ein Podest, auf dem ein Buch lag.
Der Einband war aus Seide, der die Farbe von Kupfer hatte. Auf der Vorderseite des Einbandes, war deutlich ein Oval zu erkennen, das von zwei Schlangen gebildet wurde. Eine der Schlangen war schwarz und die andere war weiß gefärbt. Sie bissen sich gegenseitig in den Schwanz. Caíron wusste nicht warum, aber in dem Oval war der Elfenbeinturm mit seinem Labyrinth abgebildet.


Bastian schaute sich das Buch, das er in den Händen hielt, noch einmal genauer an. Es war genau das Buch, was Caíron gerade gesehen hatte. Es hatte den gleichen seidenen Einband. Auf der Vorderseite waren auch die beiden Schlangen und ein Turm abgebildet. Er wunderte sich, warum das Buch, das er in den Händen hielt, in diesem Buch beschrieben wurde.

Da meldete sich die Stimme wieder: „Du hast eine gute Wahl getroffen! Du sollst nun folgende Aufgabe bekommen: Bringe dieses Buch, welches du auf dem Podest vor dir siehst, in die Menschenwelt. Es soll einem Menschenkind gehören! Glaubst du, dass du dieser Aufgabe gewachsen bist?“
„Ich bin mir sehr sicher“, sagte Caíron.
„Gestattest du mir noch eine Frage?“
„Welche?“, antwortete das Orakel.
„Wer oder was bist du eigentlich?“
„Ich bin das Orakel.“
„Und warum soll ich dieses Buch einem Menschenkind geben?“, frage Caíron nach.
Doch ihm antwortete niemand mehr. Das Orakel war auf wundersame Weise verschwunden und Caíron stand ganz allein im Raum des Schicksals. Er wartete noch einen Moment, dann nahm er das Buch und fragte sich, wie er nun hier herauskommen könnte.
Er wollte noch einmal rufen, doch da erschien hinter dem Podest, auf dem vorher das Buch lag, eine Tür. Er hatte das Gefühl, dass er durch diese Tür gehen sollte. Caíron schaute noch einmal zurück. Dann lief er durch sie hindurch hinaus ins Licht.


III.
Die Menschenwelt


Als Caíron wieder aufwachte, lag er auf dem Boden. Er kam nur sehr schwer zu sich, doch als er erwacht war, sah er, dass seine Umwelt nicht an Phantásien erinnerte. Ihm machte die ungewohnte Umgebung Angst, doch er stellte sich langsam auf, sodass er sich besser orientieren konnte. Er hatte immer noch das Buch in der Hand, das ihm das Orakel gegeben hatte. Es war sehr kalt und es regnete in Strömen.
Zuerst sah er einen kleinen Wald neben sich emporwachsen. Dann, als er sich umdrehte, sah er viele Häuser und Autos. Er war wohl nicht mehr in Phantásien, aber der Zentaur wusste auch nicht, wo er sonst war.
Irgendetwas war anders als sonst. Caíron starrte auf seine Hände, doch sie sahen wie immer aus. Dann schaute er weiter auf seinen Unterleib und da sah er, dass er auf einmal nur noch zwei Beine hatte. Das waren aber keine Pferdebeine, wie er sie vorher hatte, sondern Beine eines Menschen. Er hatte auch nicht mehr sein schönes gestreiftes Fell, sondern Kleidungsstücke aus der Menschenwelt an.
Da bekam er es mit der Angst zu tun und lief so schnell er konnte in den kleinen Wald, an dessen Seite er aufgewacht war. Hier fühlte er sich geborgen, denn es war dunkler als draußen und durch die vielen Bäume konnte man ihn nicht sehen. Dort konnte nachdenken.
„Wo bin ich?“, dachte Caíron. Da erinnerte er sich wieder an die geheimnisvolle Begegnung mit dem Orakel. „Es hat mich also in die Menschenwelt geschickt, um hier meinen Auftrag zu erfüllen.“ Jetzt musste er nur noch ein Menschenkind finden und ihm oder ihr das Buch geben und schon würde er Inwé wieder sehen. „Inwé - ich werde bald bei dir sein.“, sagte der Zentaur.


Bastian frage sich, wo Caíron wohl stecken würde. Vielleicht ist er ja sogar hier vor der Schule und wartet auf mich. Bastian wollte schon aufstehen und aus dem Fenster schauen, ob Caíron wirklich dort ist, aber er setzte sich wieder hin. „Das ist doch Blödsinn. Es gibt zigtausende Kinder dort draußen und da wartet ein Zentaur nicht auf mich!“.

Er rappelte sich auf und ging vorsichtig auf den Waldrand zu. Als er die vielen Häuser und Autos sah, bekam er es wieder mit der Angst zu tun und wollte in den Wald zurück gehen. Doch die Aussicht auf ein Wiedersehen mit seiner geliebten Inwé war stärker. So gab sich der Zentaur einen Ruck und lief in die Stadt hinein.
Als er ein wenig gelaufen war, gelangte er auf eine breite Straße, die mit den höchsten Gebäuden umzäunt war, die Caíron je gesehen hatte. Selbst in Phantásien gab es keine höheren Häuser. Er blieb vor einem dieser Gebäude stehen und schaute an ihm hoch. Auf dem Gebäude stand in großen Buchstaben: SPARBANK. Caíron wusste nicht, was das bedeutete, aber er ging durch die große gläserne Tür, die in das Gebäude hineinführte. Innen angekommen sah er viele beschäftigte Leute. Er blieb noch eine Weile dort stehen, so wie er aus der Tür heraus gekommen war.


Bastian wusste jetzt wo der Zentaur war. Er war im Bankenviertel der Stadt gelandet. Das war gar nicht weit von hier!

Durch die Tür kam ein gut angezogener junger Mann. Er wollte an Caíron vorbei, aber der Zentaur stand im Weg. Der junge Mann rempelte Caíron an und schrie: „He! Können Sie nicht aufpassen, wo Sie stehen?“ Doch als Caíron etwas erwidern wollte, war der Mann schon weg und stellte sich in eine Schlange an einem Schalter an. „Ganz schön freundlich sind diese Menschen! Hier werde ich sicher keine Kinder finden.“, dachte Caíron und ging aus der Bank wieder heraus.
Er ging so schnell er konnte zur nächsten Straße, um einen besseren Platz zu finden, um das Buch einem Kind zu schenken. Nach einiger Zeit des Laufens fand er sich in einer Einkaufstraße mit vielen Läden wieder. Immer noch das Buch in der Hand haltend, sah er ein kleines Mädchen, das einen großen Teddybären in der Hand hielt. Er lief auf sie zu und hielt ihr das Buch hin. Das kleine Mädchen blickte den Mann mit dem Buch erst etwas schräg an, aber dann griff sie nach dem Buch. Als das Kind das Buch schon fasst berührt hatte, rannte eine aufgeregte Frau auf die beiden zu. „Lina lass’ das! Nimm nichts von fremden Männern an. Das habe ich dir doch immer gesagt!“, schrie die Frau. „Nehmen Sie Ihr Buch und verschwinden Sie.“
„Aber es ist doch wichtig, dass dieses Buch ein Kind bekommt!“, sagte Caíron.


Bastian wollte Caíron sagen, dass das Buch schon in den Händen eines Kindes ist, aber wie sollte er es anstellen?

„Verschwinden Sie!“.
Caíron konnte es nicht fassen, dass die Frau das Buch nicht haben wollte. Es rettete doch den Zentauren, doch davon wollten anscheinend die erwachsenen Menschen nichts wissen. Er lief weiter, in der Hoffnung, doch noch ein Kind zu finden. Am Ende der Einkaufsstraße stand ein kleiner Laden. Auf der Tür stand:



Antiquariat

                                            Inhaber: Karl Konrad Koreander 


 
Caíron merkte, dass das eine Chance war, das Buch loszuwerden und Inwé wieder zusehen. Er würde das Buch einfach da lassen und hoffen, dass es ein Menschenkind finden würde.


Bastian überlegte. „Das Schild habe ich doch erst heute gesehen! - Ah ja, richtig. Da habe ich mein Buch her.“

Der Zentaur trat völlig durchnässt ein. Drinnen war es dämmrig und roch nach alten Büchern und Holz. Vor ihm lag ein großer Raum, der voll gestopft mit Büchern und Regalen war. Auf dem Tresen lagen viele verschieden große Bücher, die in Leder eingebunden waren. Draußen regnete es immer noch. „Tür zu, es zieht!“, sagte ein älterer Mann hinter dem Tresen. Es war Karl Konrad Koreander, der Besitzer des Antiquariats. Caíron trat ein und schloss die Tür hinter sich.
„Ich habe hier ein Buch, das einem Kind gehören soll.“, sagte Caíron.
„Ich hasse Kinder, also wird auch nie eines zu mir in Laden kommen!“, sagte der Mann hinter dem Tresen barsch.
„Aber dieses Buch ist nicht nur für Kinder. Nein, auch Erwachsene können dort drin lesen. Außerdem ist es sehr wertvoll.“
„Warum haben Sie das nicht gleich gesagt! Zeigen Sie mal her.“, sagte Herr Koreander und setzte seine Brille auf. Als er das Buch einige Zeit studiert hatte, sagte er mit distanzierter Stimme: „Na ja, das Buch ist auch nicht anders eingebunden als alle anderen. Der Ledereinband ist auch nicht der neueste!“
Er öffnete das Buch und blätterte es durch. Er sah, dass an jedem Kapitelanfang kunstvoll verzierte Buchstaben von A bis Z abgebildet waren. Daraufhin sagte er: „Wenn das handgemalte Bilder sind, ist das Buch doch wenigstens etwas wert. Aber eigentlich kaufe ich keine Bücher von Privatpersonen.“.
„Aber ich will es nicht verkaufen. Ich möchte es Ihnen schenken.“, sagte Caíron.
„Das ist etwas anderes. Ich glaube, da lässt sich was machen. Ich werde das Buch behalten und schauen, wie es sich verkaufen lässt“, sagte der Mann.
„Sie müssen mir nur eines versprechen, dann lasse ich Ihnen das Buch da.“
„Und das wäre?“, frage Herr Koreander nach.
„Das Buch muss unbedingt ein Menschenkind bekommen!“
„Ich weiß nicht recht.“ Der Mann war noch unentschlossen, was er machen sollte. Er konnte das Versprechen nicht einhalten, da er keine Kinder kannte und auch sonst keine Kinder in seinen Laden kamen. Aber andererseits, konnte er sich so ein Schnäppchen nicht entgehen lassen, denn Karl Konrad Koreander wusste genau, wieviel so ein Buch wert war. Überall auf den Buchmessen sind solche schön eingebundenen und liebevoll verzierten Bücher gefragt. Er überlegt noch einen Moment und willigte ein.
„Ich bin Ihnen zutiefst dankbar, dass Sie meinen Gefallen erfüllen wollen!“, sagte Caíron.
Dann ging Caíron und fühlte sich irgendwie beflügelt. Er ging wieder in den Park, dorthin, wo er zuerst die Menschenwelt betreten hatte. Dort angekommen merkte er erst, wie erschöpft er war. Er war nun mal nicht mehr der Jüngste. Er setzte sich hin und schlief sofort ein. Als er aufwachte, war er nicht mehr in der Menschenwelt, sondern wieder in Phantásien. Er war froh, wieder in Phantásien zu sein und nicht in der Menschenwelt bei all diesen unfreundlichen Leuten. In Phantásien hatte sich allerdings viel verändert.
Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.


„Jetzt weiß ich auch warum Herr Koreander so unfreundlich zu Fremden ist, er ist einfach zu sehr aufs Geschäft fixiert!“, dachte Bastian bei sich, als er diese Stelle las.

IV.
Wie alles begann


„Komischer Kerl!“, dachte Herr Koreander, als Caíron den Laden verließ. Er schaute auf das Buch und wusste nicht, warum der Fremde es so wichtig fand, dass das Buch ein Menschenkind bekommen sollte.
Von dem Buch ging ein gewisser Zauber aus, den man nicht einordnen konnte. Aus irgendeinem Grund verleitete das Buch Herrn Koreander sich in seinen hohen Ohrenbackensessel zu setzen. Er klappte das Buch auf und fing an zu lesen. Plötzlich riss jemand die Ladentür auf.
„Wundern Sie sich draußen oder drinnen, aber machen Sie die Tür zu. Es zieht.“, sagte Karl Konrad Koreander.

Florian Schleich, 11BGK