Der Club der toten Dichter

Beispiel für eine andeutende Inhaltsangabe:


Die folgende Inhaltsangabe passt gut zu einer knappen Vorstellung, bei der Interesse geweckt, aber noch nicht alles verraten werden soll. Dementsprechend wird nur die Kernproblematik angesprochen, ohne schon auf die Entwicklung am Schluss einzugehen.


  • · Herbst 1959. In der traditionellen Welton Academy, einem Internat, bekannt für seine elitäre und exzellente Ausbildung, hat das neue Schuljahr begonnen.
  • · In diesem Jahr kommt Professor John Keating, ein neuer Englischlehrer, an die Schule. Selbst früher Schüler dieser Lehranstalt, fällt er bei den Kollegen durch seine unkonventionelle Art des Unterrichts auf; bei den Schülern ist er bald sehr beliebt.
  • · Seine Methoden der Wissensvermittlung bestärken die Schüler in ihrer Individualität. Er ermutigt sie, Phantasie und Kreativität zu entwickeln und den "Club der toten Dichter" neu zu gründen, dem er in seiner Schulzeit selbst angehörte.
  • · Nachts treffen sich die Jungen heimlich in einer abgelegenen Höhle und rezitieren eigene Gedichte und Werke vergangener großer Dichtkunst. Zwischen ihnen entwickeln sich Freundschaft und Komplizenschaft. Allmählich entdecken die Jungen ihr Selbstbewusstsein.(...)


Beispiel für eine Einschätzung des Films


Aus der „Kinder und Jugendfilm Korrespondenz“


Da stimmt das Drehbuch , die Besetzung, die Dramaturgie, die Musik. "Der Club der toten Dichter" ist ein 'pädagogischer' Film in dem Sinn, dass er zur Verwirklichung von Träumen und Sehnsüchten ermutigt, zur geistigen Unabhängigkeit, zur Erkämpfung von Freiräumen und seien sie noch so klein. Er ist aber auch ein 'anti-pädagogischer' Film, indem er die herkömmlichen pädagogischen Strukturen, Normvollzug, das Erreichen von vorgegebenen Lernzielen in Frage stellt. Peter Weir ist die Gratwanderung zwischen Intellekt, Emotion und Humor gelungen, er balanciert die unterschiedlichsten Aspekte geschickt aus. (...) Der Film spricht nicht nur den Kopf an, sondern geht auch in den Bauch, ist ein Film, der Tränen bei dem Zuschauer hervorlockt."
Der Film spricht nicht nur den Kopf an, sondern geht auch in den Bauch, ist ein Film, der Tränen bei dem Zuschauer hervorlockt.


Kurzübersicht und interpretatorische Anmerkungen


In der folgenden Übersicht geht es zum einen um die Entwicklung der Handlung, dazu kommen interpretatorische Anmerkungen, die den Blick für Absicht, Eigenart und Bedeutung dieses Films schärfen.
Der Club der toten Dichter
1. Die ersten Szenen des Films beschäftigen sich mit der Begrüßung eines neuen Jahrgangs von Schülern, wobei ein feierlicher Akt im großen Saal eines Internats im Vordergrund steht. Feierlich werden die vier Prinzipien hereingetragen und vorgestellt  Tradition, Disziplin, Ehre (?) und Leistung. Deutlich wird die patriarchalische Zwangsgesellschaft, die wenig Rücksicht nimmt auf die wirklichen Bedürfnisse von Kindern.
2. Anschließend lernt man eine Gruppe von Schülern und ihr Leben genauer kennen. Noch sind alle voller Hoffnung, stehen gewissermaßen auf der gleichen Stufe, auch wenn schon erste Unterschiede – etwa im Verhältnis zu den Eltern – deutlich werden.
3. Die eigentliche Handlung des Films beginnt, als Mr. Keating, der neue Englischlehrer auftaucht und gleich mit einem sehr unkonventionellen Unterrichtsstil beginnt. Kernszene ist das Herausreißen der Einleitung aus dem Gedichtlehrbuch, in der eine überaus mechanische Interpretations- und Bewertungsmethode vorgestellt wird. Damit will er deutlich machen, dass es nicht um das Lernen einer mechanischen Interpretationsmethode geht, sondern um einen lebendigen Zugang zu einer lebendigen Welt.
4. Wie wichtig das Leben und die Weiterentwicklung des Lebendingen ist, zeigt Keaton in einer zweiten Schlüsselszene, bei der er seine Schüler vor die Bilder früherer Schülerjahrgänge führt und ihnen zeigt, was Tradition eben auch bedeutet  Menschen im eigenen Alter vor sich zu sehen, deren Reste inzwischen von den Würmern gefressen werden. Damit ergibt sich eine sehr existenzialistische Sicht des Lebens, was bedeutet, dass Existenz immer endlich und bedroht ist – und dass man sie intensiv nutzen sollte. Dem entsprechend ergibt sich als Konsequenz der alte Leitspruch  CARPE DIEM (Nutze den Tag!), der hier zu neuem Leben erweckt wird.
4. Die Schülergruppe entdeckt dann zunächst in einem alten Jahrgang ein Bild des neuen Lehrers aus der Zeit, als er selbst noch Schüler an dieser Eliteschule war. In diesem Zusammenhang stoßen sie auch auf den Namen "Club der toten Dichter". Bald stellt sich heraus, dass dieser Club sich regelmäßig in einer alten Indianerhöhle traf und dort Gedichte vortrug. Man beschließt, den Club wieder aufleben zu lassen.
5. In der nächsten Zeit finden verschiedene Treffen statt, in denen die Jungen immer mehr ein eigenes, selbständiges Leben entwickeln und einen inneren Zugang zur Literatur bekommen. Schließlich kommen auch Mädchen dazu, was die von der Schule erzwungene unnatürliche Geschlechtertrennung aufhebt.
6. Zu einem Eklat kommt es, als einer der Schüler einen Artikel in die Schülerzeitung hinein mogelt, in dem die Aufnahme von Mädchen an die Schule verlangt wird. Es wird eine rigorose Untersuchung angestellt, an deren Ende der Verantwortliche vom Direktor höchstpersönlich eine Tracht Prügel bezieht. Mr. Keating kritisiert im Nachhinein das unüberlegte Vorgehen und mahnt Kompromissbereitschaft an.
7. Zu einem weiteren Problem kommt es, als einer der Gruppe sich in Chris verliebt, die Tochter aus einer hochangesehenen Familie, die mit einem üblen Schläger fast verlobt ist. Er rafft sich auf, sie anzurufen, wird zu einer Fete eingeladen, kommt ihr dort auch ziemlich nahe und bezieht Prügel. Er lässt aber nicht locker, besucht sie sogar in ihrer Schule und überzeugt sie bei ihrem Protest-Gegenbesuch davon, dass sie es einen Abend lang mit ihm versuchen solle. Ziel ist eine Theateraufführung in der Nachbarschaft.
8. Dort nun wiederum spielt ein anderer Schüler gegen den Willen seines Vaters die Hauptrolle. Nachdem er bereits am Anfang die Mitarbeit bei der Schülerzeitung einstellen musste, darf er jetzt auch nicht Theater spielen. Der Englischlehrer rät ihm, über seinen Herzenswunsch offen mit seinem Vater zu reden, was er angeblich auch tut. Bei der Aufführung selbst zeigt sich am Zorn des plötzlich auftauchenden Vaters aber, dass von einer solchen Erlaubnis keine Rede sein kann.
9. Der Sohn muss mit dem Vater nach Hause, wo ihm angedroht wird, er werde von der Schule genommen und müsse auf eine Militärakademie gehen - eine schreckliche Aussicht mit einer Perspektive von 10 Jahren. Auch hier verzichtet er auf nachhaltige Gegenwehr, erschießt sich aber anschließend auf eine sehr theatergemäße und zeremonielle Weise.
10. Die Mitschüler reagieren sehr betroffen auf die Nachricht. Einer schert aus und veranlasst auch die anderen, die eigene Haut zu retten, indem man alle Schuld auf den Englischlehrer schiebt. Dieser muss daraufhin die Schule verlassen.
11. In der Schlussszene wird die Klasse gezeigt, wie sie vertretungsweise vom Direktor selbst übernommen und in alter Form unterrichtet wird (wobei natürlich die Einleitung zum Gedichtband fehlt!). Als Mr. Keating noch einmal kurz erscheint, um persönliche Sachen abzuholen, kommt es dann doch noch zum sukzessiven (einer nach dem anderen!) Aufstand der Schüler, indem sie nacheinander auf die Tische steigen und den Direktor ziemlich wütend-hilflos aussehen lassen. Der Film endet damit, dass Mr. Keating sich bei seinen Schülern bedankt und von ihnen verabschiedet.
12. Anmerkung zum Film: Die besondere Leistung besteht darin, diesen Englischlehrer Literatur als etwas sehr Natürliches und sehr Schönes präsentieren zu lassen. Zugleich bekommen seine Schüler Freiräume für ihre persönliche Entwicklung, die in diesem Schulsystem eigentlich nicht vorgesehen sind. Ein zentrales Problem besteht aber zugleich in der besonderen Rolle dieses Lehrers, nicht von ungefähr wird er feierlich mit „Captain“ angeredet, er ist in gewisser Weise eine Führergestalt, der die Schüler schließlich bedingungslos folgen. Zwar strebt Mr. Keating gute Dinge an, aber seine Methoden sind nicht unproblematisch, vor allem, als er einen Schüler zum Vortrag eines Gedichtes regelrecht zwingt, solche Versuche, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen, können auch sehr gefährlich enden, ja das Gegenteil bewirken. Letztlich bleibt aber doch der Eindruck, dass hier ein Befreiungsakt stattfindet, denn die Unterdrückung in diesem Schulsystem ist viel schlimmer und eindeutig negativer als die etwas radikalen Maßnahmen, mit denen Mr. Keating versucht, den Schülern zu einer neuen Sicht zu verhelfen.